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1. Februar 2016 | Impuls aus Schönstatt | 

Einige Gedanken zum „Wort“ und „Unwort“ des Jahres 2015


Impuls aus Schönstatt (Foto: Brehm)

„Gutmensch“ ist das „Unwort des Jahres 2015“. Das jedenfalls hat die Jury der institutionell unabhängigen Aktion „Unwort des Jahres“ am 12. Januar 2016 als ihre Entscheidung mitgeteilt. Als „Gutmenschen“ seien 2015 insbesondere diejenigen beschimpft worden, „die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen“, heißt es in einer Pressemitteilung zur Wahl des 25. Unwort des Jahres.

Toleranz und Hilfsbereitschaft anderen Menschen gegenüber, vor allem solchen, die sich wegen ihrer Flucht vor Krieg und Not in prekären Situationen befinden, werden mit der Verwendung dieses Begriffes „als naiv, dumm oder weltfremdes Helfersyndrom diffamiert“. Da kann man der Jury nur zustimmen. Eigentlich bräuchte es angesichts immer offensichtlich werdender Abschottungstendenzen diverser europäischer Länder, angesichts verirrter politischer Forderungen nach einem Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge an der Grenze, im Hinblick auf Obergrenzen-Geschrei und eher Wahlkampf geschuldeten Forderungen nach tagesaktuellen Kontingenten sowie Hotspots und Registrierzentren außerhalb Deutschlands, viel mehr Unterstützung für Menschen, die zum Gutsein bereit sind, die anderen Gutes tun wollen, die ihrem innersten Antrieb, als Menschen menschlich handeln zu wollen, folgen.

Wort des Jahres 2015: „Flüchtlinge“

Ein weiteres, dieses Mal „Wort des Jahres 2015“ hat die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) schon am 11. Dezember 2015 bekannt gegeben. Nach der Entscheidung einer Jury, die sich aus dem Hauptvorstand der GfdS sowie weiteren wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammensetzt, ist das Wort des Jahres 2015 „Flüchtlinge“, ein Wort, das tatsächlich den GfdS-Kriterien entspricht, dass es „die öffentliche Diskussion dominiert und ein Jahr wesentlich geprägt“ hat. Für sprachsensible Ohren klinge es tendenziell abschätzig: Analog gebildete Worte wie Eindringling, Emporkömmling oder Schreiberling seien ebenfalls mit negativen Bedeutungen verbunden. Außerdem habe Flüchtling passive Anklänge, ähnlich „wie Prüfling, Lehrling, Findling, Sträfling oder Schützling“. Das ausgewählte Wort sei jedoch „mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden“, wie die Jury auf ihrer Internetseite ausdrücklich betont.

Egal ob „Wort des Jahres“ oder „Unwort des Jahres“, allein die Tatsache ihrer Benennung führt zu einer Heraushebung, zu Verstärkung der inhaltlichen Werte oder zu deren Diskreditierung. Das ist wie bei Umfragen: Indem ein Thema zum Objekt einer Umfrage gemacht wird, wird seine „Wichtigkeit“ suggeriert. Schon die Art, wie eine Frage gestellt wird, lenkt die Gedanken des Befragten in eine bestimmte Richtung. Und niemand kann sich davon frei machen.

Statt Krise die Herausforderungen und Chancen betonen

Das Wort des Jahres 2015, „Flüchtling“, wird seit Beginn des Flüchtlingsstromes mit dem Wort „Krise“ gekoppelt. Seit Wochen gibt es keine Nachrichtensendung mehr, ohne dass von der „Flüchtlingskrise“ die Rede wäre. Krise bedeutet laut Duden „schwierige Lage, Situation, Zeit; Schwierigkeit, kritische Situation; Zeit der Gefährdung, des Gefährdetseins“. Synonyme sind „Ausweglosigkeit, Zwangslage, Problemsituation, Misere“. Im Dauergerede von der Flüchtlingskrise werden Menschen auf der Flucht, wie auch die Menschen, die ihnen zur Hilfe kommen wollen, gemeinsam in eine emotional negativ besetzte Ecke gestellt.

Gewiss stellt die große Zahl flüchtender Menschen die nach Europa wollen eine Herausforderung dar und nicht alle Schwierigkeiten werden einfach zu lösen sein. Doch vielleicht sollte man schon beim sprachlichen Umgang mit der Flüchtlingssituation damit anfangen, die Goldkörner der Herausforderungen und Chancen zu betonen („Wir schaffen das!“) und sich weniger als Mistkäfer in Dilemma und Schlamassel zu betätigen. Max Frisch drückt es treffend aus wenn er sagt: „Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

Was wäre Ihr Wort des Jahres?

Machen Sie einen Anfang! Formulieren Sie Ihr Wort des Jahres. Ein Wort, das nach Ihrem Empfinden dazu beiträgt, unsere Gesellschaft aufzubauen. Welches gute Wort könnte uns helfen, den vielen Menschen auf der Flucht menschlich zu begegnen?

Wenn Sie möchten, können Sie uns und anderen Ihren Vorschlag über das folgende Formular mitteilen.

Heinrich Brehm

Arbeitskreis Impuls aus Schönstatt
E-Mail impuls@schoenstatt.de

Mein Beitrag zum Impuls aus Schönstatt bzw. mein Vorschlag für das "Wort des Jahres"

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28.2.2013, 09:03 Uhr

"Bündniskultur"

Sr. M. Vernita Weiss

8.2.2013, 14:46 Uhr

"Flüchtlingshilfe"

P. Peter Nöthen, Vallendar

3.2.2013, 12:44 Uhr

"Barmherzigkeit
Denn nur mit der Barmherzigkeit können wir die Probleme dieser Welt bezwingen."/p>

N.N. (Name der Redaktion bekannt)

2.2.2013, 10:16 Uhr

"Ehrenamt"

N.N. (Name der Redaktion bekannt)

1.2.2013, 21:37 Uhr

Frieden in mir - Frieden aus mir
Wie viele Menschen sind ausser sich, weil sie nicht in der Lage sind, mit sich selber - schon gar nicht mit dem Anderen - in Frieden zu sein!

Ulli
Süddeutschland / Alpen

1.2.2013, 17:08 Uhr

Mit mir ging und geht immer noch das Wort aus der Predigt vom Weihbischof Michael Gerber im Herbst vorigen Jahres: der Bündnismensch.

Dieses Wort beinhaltet meiner Meinung nach die Antwort auf die Flüchtlingkriese, auf die Herausforderungen und Chancen, die mit dem Thema: Flüchtlinge, verbunden sind.

Es geht weder darum, sich in einer kritischen Haltung abzuschotten, noch mit einer "rosa-Brille" die Massenmigration zu sehen. Ein "Bündnismensch" ist fähig, in der Haltung der Alianz sich innerlich der Herausforderung zu öffnen und aus dem größten Zeichen der Zeit dieses Jahres (der kommenden Jahre??) ein Zeugnis der weltgestaltenden Kraft des Evangeliums zu geben. Er ist fähig, Bündnisse zu schließen, wo der Anruf des Augenblicks sich bietet und somit tritt er aktiv in diese Herausforderung, die so zur Chance werden kann.

Alicja Kostka
Polen, Vallendar


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