Nachrichten

11. November 2013 | Fest 2013 | 

„Ein kühner Gedanke …“- eine Vision und was in 100 Jahren daraus geworden ist


Jubiläumsauftakt in der Pilgerkirche beim Fest der deutschen Schönstatt-Bewegung (Foto: Kröper)

Jubiläumsauftakt in der Pilgerkirche beim Fest der deutschen Schönstatt-Bewegung (Foto: Kröper)

Carla Riechel. „Drei, zwei, eins … „ - so zählen weit über 2.000 Teilnehmer die letzten Sekunden des Countdown. Unter Trommelwirbel wird der Blick auf „100 Jahre“ frei. Nach der tollen internationalen Eröffnung des Jubiläumsjahres am Abend des 18. Oktober 2013 beginnt der Jubiläumsauftakt der deutschen Schönstatt-Bewegung, die am 19. und 20. Oktober ein großes Fest feiert. „Unser Weg bewegt, wir brechen auf zur dir“ – dieses Lied reißt alle von den Stühlen und bringt Bewegung in die gefüllte Pilgerkirche und darüber hinaus …

Weit über 2000 Teilnehmer in und um die Pilgerkirche (Foto: Kröper)

Weit über 2000 Teilnehmer in und um die Pilgerkirche feiern mit (Foto: Kröper)

Die Moderatoren des Vormittages: Christine Scherer und David Brähler (Foto: Kröper)

Die Moderatoren des Vormittages: Christine Scherer und David Brähler (Foto: Kröper)

Die Gemeinschaften stellen sich mit einem markanten Satz vor (Foto: Kröper)

Die Gemeinschaften stellen sich mit einem markanten Satz vor (Foto: Kröper)

Eine große Kugel mit dem 2014-Logo wird hereingerollt (Foto: Grabowska)

Eine große Kugel mit dem 2014-Logo wird hereingerollt (Foto: Grabowska)

Eine große Familie ist im Laufe von 100 Jahren entstanden

Mit einem „Herzlich Willkommen Schönstatt!“ begrüßen die zwei Moderatoren – Christine Scherer und David Brähler – alle Gäste und vergewissern sich – mit lautstarkem Rückecho – dass alle Regionen Deutschlands vertreten sind.

Eine bunte Vielfalt an Gliederungen, eine große Familie ist im Laufe von 100 Jahren entstanden. Und da kommen sie schon auf die Bühne: 20 verschiedene Gemeinschaften, die ihr eigenes Charisma leben und in einem markanten Satz zum Ausdruck bringen. Und ganz zum Schluss die Jugend – allen voran die MJF, die mit 300 Mädchen und jungen Frauen in einem wirkungsvollen Sprechchor bezeugt, dass sie als neue Gründergeneration durchstarten will.

Jede Gemeinschaft ist eine kleine Welt für sich. Doch gemeinsam gestalten alle die EINE bunte Welt Schönstatts, in der es immer wieder Neues zu entdecken gilt, die ständig in Bewegung ist - so wie die große Kugel, die von hinten in die Pilgerkirche hineingerollt wird und auf der Bühne ihren Platz findet. Eine Familie, die aus einer Wurzel und für eine große Sendung lebt: aus dem Liebesbündnis, das im Herzen und im Leben Pater Kentenichs begonnen hat.

Eine Idee mit weltverändernder Kraft

Und plötzlich wird es still in der Pilgerkirche und alle schauen gebannt wie Leo Strempel mit gekonnter Pantomime geschichtlich zurückblendet auf die Anfänge: die Mutter, die den neunjährigen im Waisenhaus der Gottesmutter weiht – die Vision eines jungen Paters von freien Persönlichkeiten – das aufmerksame Sehen der geöffneten Türen bis mit dem Bündnisschluss am 18. Oktober 1914 dem Himmel eine Tür im kleinen Friedhofskapellchen geöffnet wird.

Oft war es in der Weltgeschichte eine kleine, aber geniale Idee, die weltverändernde Kraft entwickelt hat. So auch bei Pater Kentenich. Am Anfang Schönstatts steht „ein kühner Gedanke, fast zu kühn für die Öffentlichkeit, aber nicht zu kühn für sie“ – und für uns alle, deren Herzen Feuer gefangen haben.

Blättern im Familienalbum (Foto: Kröper)

Blättern im Familienalbum (Foto: Kröper)

Blättern im Familienalbum

100 Jahre Schönstatt regen an, zurückzuschauen, gleichsam im Familienalbum der eigenen Geschichte zu blättern. Und dazu laden die beiden Moderatoren nun ein. Fotos und Zeitdokumente, Worte unseres Vaters und Zeugnisse von Schönstättern aus allen Epochen lassen Geschichte lebendig werden. Ein Raunen geht durch den Saal als die ersten bewegten Bilder und Filmaufnahmen des Gründers zu sehen sind – für viele das erste Mal. Noch berührt vom Abschied des Vaters kommt Freude auf über all das, was in den letzten Jahrzehnten gewachsen ist. Viele haben diese Zeit miterlebt und mitgestaltet und sind angefragt, Schönstatt in die neue Zeit zu tragen, denn: „Die Fortsetzung bist DU …!“

Beiträge von der „bewährten Generation“

100 Jahre Schönstatt - dahinter stehen ganz konkrete Menschen mit ihrem Einsatz für Schönstatt und mit ihrer persönlichen Lebensgeschichte. Einige aus der „bewährten Generation“ sind bereits 90 Jahre und älter und haben es sich nicht nehmen lassen, an diesem Fest teilzunehmen. Unter ihnen Frau Therese Bongartz vom Institut der Frauen von Schönstatt, die 1914 geboren, mit Schönstatt im kommenden Jahr 100 Jahre alt wird. Ihnen allen gilt ein großer Applaus! Stellvertretend für die vielen kommen zwei auf die Bühne:

Schwester M. Romelia (Foto: Kröper)

Schwester M. Romelia (Foto: Kröper)

Sr. M. Romelia hat Schönstatt 1934 kennen gelernt und mehr als 75 Jahre der Geschichte miterlebt und mitgestaltet. 1936 begegnete sie auf einer Tagung das erste Mal Pater Kentenich. Von den vielen Begegnungen ist ihr ein Wort des Gründers geblieben: „Sie dürfen alles vergessen, was ich geredet habe. Aber sie dürfen nicht vergessen, wie ich gehandelt habe.“

Pater Dr. Michael Johannes Marmann (Foto: Kröper)

Pater Dr. Michael Johannes Marmann (Foto: Kröper)

Pater Michael Marmann, seit 50 Jahren Schönstattpater, besuchte in jungen Jahren den Gründer in Milwaukee. Eine der Begegnungen dort wurde für ihn zum Schlüsselerlebnis. Nach einem längeren, sehr persönlichen Gespräch sagte Pater Kentenich zu ihm: „Wenn sie die Gottesmutter gern haben, dann sind wir Freunde!“

Viele im Saal haben ähnliches erlebt, haben sich entzünden lassen und Schönstatt ein Gesicht gegeben – ob seit sechzig, zwanzig oder zwei Jahren. Und so gilt der Dank allen und wird sichtbar in kleinen „Dankeschönherzen“, die in Körben durch den Saal wandern. Die Kinder dürfen sie sich persönlich an der Bühne abholen.

Doch: „… was wären wir geworden ohne Dich“ – so der Blick auf die Gottesmutter und der Dank an sie - musikalisch durch Gertraud Wackerbauer und die Band Smiles&More. Und schnell lassen sich alle im Saal anstecken und singen den Liedvers aus tiefer Überzeugung mit.

Aus dem Liebesbündnis Familie, Beruf, Kirche und Welt mitgestalten

Nicht nur vor 100 Jahren – auch heute bewegt der kühne Gedanke Pater Kentenichs Menschen, aus dem Liebesbündnis heraus Familie und Beruf, Kirche und Welt zu gestalten. Vier Zeugnisse stehen für die vielen ….

Gerd Adler (Foto: Kröper)

Gerd Adler (Foto: Kröper)

Ehepaar Elisabeth und Hans-Georg Hagmann  (Foto: Kröper)

Ehepaar Elisabeth und Hans-Georg Hagmann  (Foto: Kröper)

Stefanie Alberding mit ihrer Mutter Gertrud (Foto: Neiser)

Stefanie Alberding mit ihrer Mutter Gertrud (Foto: Neiser)

Isabelle Scheich (m) und Tobias Brehm  (Foto: Brehm)

Isabelle Scheich (m) und Tobias Brehm  (Foto: Brehm)

Gerd Adler aus Heiligenstadt im Eichsfeld erhielt im Herbst vergangenen Jahres das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement in der Zeit der Friedlichen Revolution 1989. Die Zeitungen, die darüber berichteten, zeigen ein Foto von ihm im Hausheiligtum. Denn ohne seine Bindung an die MTA hätte er 1989 nicht den Mut aufgebracht. Vor seinem Gang zur ersten Demo haben seine Frau und er vor dem Bild gekniet und um Beistand gefleht. Er sieht sich ganz als Werkzeug der Gottesmutter.

Ehepaar Elisabeth und Hans-Georg Hagmann lebt mit drei Söhnen in München. Schon bald nach ihrer Heirat spürten sie das Bedürfnis, ihre Ehe auf ein tieferes Fundament zu stellen und auch geistig miteinander zu wachsen. Gleichzeitig war der Wunsch da nach Austausch mit Gleichgesinnten. So schlossen sie sich dem Familienbund an und erleben dort eine Familie von Familien, die Heimat schenkt, die gut tut, aber auch fordert. Das Liebesbündnis mit der Gottesmutter ist tragender Grund im turbulenten Familien- und Berufsalltag. Das hat sichtbar Ausdruck gefunden in einem ewigen Licht, das im Hausheiligtum brennt.

Stefanie Alberding ist 24 Jahre und lebt von Geburt an mit einer körperlichen Behinderung. Auf die Frage, was ihr das Liebesbündnis bedeutet und ob sie noch nie mit Gott gehadert hat, antwortet sie: „Wenn Gott diese Behinderung nicht zugelassen hätte, wäre ich eine andere Person. Und das wäre doch sehr schade. Ich sehe in meiner Behinderung eine Aufgabe. Wenn jemand glaubhaft machen kann, das Lebensschutz wichtig ist, dann bin ich es.“ Natürlich gibt es auch Tiefpunkte in ihrem Leben. Aber irgendwann hat sie zu Maria gesagt: „Du hast Lastschrifteinzug.“

Ihre Mutter Gertrud Alberding, die sie begleitet, erzählt von der Entscheidung, die sie mit ihrem Mann bereits vor der Hochzeit getroffen hat, auch ein behindertes Kind ohne Vorbehalte als Geschenk Gottes anzunehmen. Natürlich gibt es auch Belastendes, jede Mutter leidet mit ihrem Kind. Und gerade hier fühlt sie sich der Gottesmutter sehr nahe und schöpft Kraft im Blick auf das Kreuz der Einheit.

Isabelle Scheich und Tobias Brehm sprechen für die Jugendgemeinschaften. Isabelle Scheich erzählt begeistert vom Ideal der SchönstattMJF - der lebendigen Krone. Für sie bedeutet es, das Beste im Alltag zu geben und marian like zu leben.

Tobias Brehm berichtet von den fünf Säulen der SMJ. Er selbst hat sich mit dafür eingesetzt, dass im Oktober 2012 fünf große Basaltsäulen vor dem Taborheiligtum aufgestellt wurden. Die fünf Säulen – Liebesbündnis, Mann-sein, Lebensschule, Gemeinschaft, Apostel-sein – sind zugleich Fundament, Zusage und Anspruch für das eigene Leben.

Gertraud Wackerbauer (Foto: Kröper)

Gertraud Wackerbauer (Foto: Kröper)

Dein Bündnis – unser Weg

Mit großem Applaus werden alle sieben auf der Bühne bedacht. Ihr Engagement ist Teil der Geschichte Schönstatts und zeigt, wie der kühne Gedanke des Anfangs bis heute Menschen bewegt. Das Bündnis wird zur Sendung.

Dieser Gedanke inspirierte auch Gertraud Wackerbauer zu einem Jubiläumslied. Dein Bündnis – unsere Mission. Dein Bündnis – unser Weg. Dein Bündnis - unsere Kraft. Nichts ohne dich – nichts ohne uns.

Auch die Kinder wurden ins Festprogramm miteinbezogen  (Foto: Kröper)

Auch die Kinder wurden ins Festprogramm miteinbezogen  (Foto: Kröper)

Pater Dr. Lothar Penners, Leiter der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Foto: Brehm)

Pater Dr. Lothar Penners, Leiter der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Foto: Brehm)

Ein humorvoller Abschluss mit den "Schönstattgnetten" (Foto: Neiser)

Ein humorvoller Abschluss mit den "Schönstattgnetten" (Foto: Neiser)

Liebesbündnis für die Menschen in unserem Land

Schönstätter engagieren sich für andere. Das ist eine der zentralen Dimensionen unserer Spiritualität. Am Nachmittag wird die Bewegung das „Liebesbündnis für die Menschen in unserem Land“ schließen. Dieser Akt wird durch den sich anschließenden Beitrag vertieft. Ein Film zeigt Menschen, zeigt Schönstätter, die in ihrem Alltag bereits das Liebesbündnis für andere leben. Gleichzeitig wird die Fülle an Projekten und Initiativen der Schönstattbewegung sichtbar – „für die Menschen in unserem Land“. In einigen wegweisenden Worten richtet der Leiter der Schönstatt-Bewegung in Deutschland, Pater Dr. Lothar Penners den Blick auf die Veränderungen in Welt und Kirche in den letzten 25 Jahren. Was heute entscheidend ist: „In Gesellschaft und Kirche geht es offensichtlich um die Qualität unseres menschlichen Miteinanders und zwar in einer ganz elementaren Weise. Es geht darum, dass bedingungslose Ja Gottes zu jedem Menschen einzuholen.“ Wenn die Bewegung am Nachmittag das Bündnis für die Menschen in Deutschland schließe, bedeute das, aus der Mitte der Herzens dem Himmel erneut „sanfte Gewalt“ anzutun, damit Unmögliches möglich werde. Und er ist überzeugt: „Das Programm gestern und heute, die Zeugnisse, die frohe, aufbruchsbereite Stimmung zeigen: Wir sind nicht nur 100 Jahre alt, sondern 100 Jahre jung!“

Das bekräftigt zum Abschluss des Vormittages auch der Auftritt der wortgewaltigen Schönstattgneten, die gekonnt und humorvoll die Schönstattbewegung auf ihrem Weg zum Jubiläum aufs Korn oder besser ins Wort nehmen: Mit 99 Jahren – da fängt das Leben an … Gesundheitlich geht es der Bewegung bestens, denn die Menschen fühlen ständig den Puls der Zeit. … Seit Uhrzeiten liegt der Ursprung im Urheiligtum. 100 Jahre, das muss gefeiert werden. Allen ein schönes Juhu-biläumsjahr!

Eine größere Zahl von Teilnehmern konnte die Veranstaltung auf großen Monitoren außerhalb der Pilgerkirche mitverfolgen (Foto: Vilches)

Eine größere Zahl von Teilnehmern konnte die Veranstaltung auf großen Monitoren außerhalb der Pilgerkirche mitverfolgen (Foto: Vilches)


Top