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27. August 2019 | Impuls aus Schönstatt | 

Gedanken zu Maria 2.0


Impuls aus Schönstatt (Foto: Brehm)

Zu der Initiative Maria 2.0 wurden in den vergangenen Wochen viele Kommentare verfasst. Einige befürworten, dass die Frauen endlich auf die Barrikaden gehen und ihr gutes Recht einfordern. Andere werfen der Initiative vor, alle Probleme von sexuellem Mißbrauch, Machtmissbrauch, Zölibat und Frauenpriestertum zu vermischen und die gegenwärtig angeheizte Stimmung für ihre Interessen zu nutzen.

Wir möchten nun nicht unsererseits in die eine oder andere Richtung argumentieren, sondern fragen, wieso es zu dieser Energie kommt, die einem Aufstand in der Kirche gleicht. Was treibt die Frauen dazu, so massiv ihren Protest zu artikulieren? Was treibt einige von ihnen gar dazu, lieber Spaltungen in der Kirche in Kauf zu nehmen, als die Forderung nach der Priesterweihe auch für Frauen fallen zu lassen?

In den 1990er Jahren hatte Papst Johannes Paul II. eine umfängliche Reihe von Büchern über Feminismus studiert, um, wie er später sagte, verstehen zu können, warum diese Strömung eine solche Kraft besitzt. Nach dem Studium kommentierte er, er habe nun verstanden: Die Frauen fühlten sich in Gesellschaft und Kirche nicht genügend wertgeschätzt. Dagegen müsse etwas getan werden.

Könnte es sein, dass sich auf der Grundlage der erlangten Freiheit heute der Jahrhunderte, ja Jahrtausende währende Stau von mangelnder Gleichberechtigung und Unterdrückung Luft macht?

Um zwei Eckpunkte zu nennen: Der Text von 1 Kor 14,33-35 hat eine traurige Karriere in der Kirche gemacht:

„Wie es in allen Gemeinden der Heiligen üblich ist, sollen die Frauen in den Versammlungen schweigen; es ist ihnen nicht gestattet zu reden: Sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wenn sie etwas lernen wollen, dann sollen sie zu Hause ihre Männer fragen; denn es gehört sich nicht für eine Frau, in der Versammlung zu reden.“

Man kann einen Bogen über die Jahrhunderte schlagen und spüren, wie sehr die dahinterstehende Mentalität Wirkung zeigte.

Bis 1953 standen im Bürgerlichen Gesetzbuch Deutschlands (Paragraph 1354) Richtlinien, die dieser Vorstellung entsprachen: „Dem Mann steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu; er bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung.“ Als das Bundesverfassungsgericht die Gleichstellung von Mann und Frau erzwang, hagelte es Protest vonseiten der Kirche: Es liege in der Natur der ehelichen Zweiergemeinschaft, dass dem Mann als dem (vor der Frau) „Ersterschaffenen“ die letzte Autorität in Ehe und Familie zukomme. Es bestehe eine „unumkehrbare, seinsmäßige Abhängigkeit der Frau vom Mann“. Dies abschaffen zu wollen widerspreche dem göttlichen Naturrecht.

Könnte man nicht – bei aller Differenzierung in der Argumentation zu heutigen Einzelfragen – die ganze Bewegung Maria 2.0 verstehen als den Versuch und das dringende Anliegen, sich dem zuzuwenden, was die Heilige Schrift ganz am Anfang sagt:

„Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! …  Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.“ (Gen 1,26 f.) Es geht um die gleiche Würde, Freiheit und Gleichheit von Frau und Mann als Bild Gottes.

Und neutestamentlich könnte 1 Kor 11,11 f. weiterhelfen:

„Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau. Denn wie die Frau vom Mann stammt, so kommt der Mann durch die Frau zur Welt; alles aber stammt von Gott.“ Und in Kol 3,9-11 heißt es: „Ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt und habt den neuen Menschen angezogen, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um ihn zu erkennen. Da gibt es dann nicht mehr Griechen und Juden, Beschnittene und Unbeschnittene, Barbaren, Skythen, Sklaven, Freie, sondern Christus ist alles und in allen.“

Auf dieser Grundlage wertschätzenden Miteinanders könnten wir in Freiheit, Wohlwollen und in der Gelassenheit, die der Geist Gottes schenkt, weiterreden.

Für das Redaktionsteam „Impuls aus Schönstatt“, Hubertus Brantzen

Leserreaktionen

06.09.2019, 11:30

Liebes Redaktionsteam,

vielen Dank für diesen ausgewogenen Artikel! In den Monaten seit Beginn von Maria 2.0 habe ich bisher nur Ablehnung, Unverständnis bis hin zu Gebetsanliegen gegen die Demos gehört und das ausgerechnet von anderen Frauen. Dabei ist es im Sinne von Pater Kentenich, zukunftsorientiert zu denken und dementsprechend zu reagieren. Ihr Artikel hat mir die Zuversicht zurück gegeben!

Claudia Kring, Neuwied

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