Pater Kentenich legte mit diesen Worten den jungen Mitgliedern der Kongregation den Plan vor, durch Gebet und Opfer der Muttergottes sanfte Gewalt anzutun, damit sie das Michaelskapellchen zu ihrer Gnadenstätte und zum Ausgangs- und Mittelpunkt einer religiös-sittlichen Erziehungs- und Erneuerungsbewegung erwählen möge.
Wie war Pater Kentenich auf diesen Gedanken gekommen? Hierbei spielten eine Glaubensüberzeugung und ein konkretes Ereignis eine Rolle. Die Glaubensüberzeugung besagte, daß Sendung und Wirksamkeit der Muttergottes mit ihrem irdischen Leben nicht abgeschlossen sind, sondern weiterdauern bis an das Ende der Tage. Als die amtliche Dauergefährtin und Dauergehilfin des Heilandes bei seinem gesamten Erlösungswerk, wie Pater Kentenich sie später nennen sollte, bleibt Maria auch nach ihrem Heimgang zum Dreifaltigen Gott mit ihrer ganzen Person und Fürbittmacht am Heilswerk ihres göttlichen Sohnes aktiv beteiligt. Wie die Geschichte der Kirche ausweist, entfaltet sie ihre Wirksamkeit gerne an Orten, die sie zu ihren Gnadenstätten erwählt, und durch Menschen, die sich ihr als Werkzeuge zur Verfügung stellen. Das konkrete Ereignis war die Entstehung des Wallfahrtsortes Valle di Pompei in Italien, von der Pater Kentenich im Sommer 1914 nähere Kunde bekam. Wenn das gläubige, opferreiche Tun des Rechtsanwaltes Bartolo Longo die Muttergottes bewogen hatte, Valle di Pompei zu einem Ort ihrer besonderen Wirksamkeit zu machen, könnte dann nicht in Schönstatt Gleiches geschehen, wenn sich Menschen finden würden, dir von ähnlich selbstlos-apostolischer Gesinnung beseelt waren?
Die Lieblingsidee zündete in den Herzen der Sodalen. Sie erblickten in ihr nicht eine bloß menschliche Idee, sondern ein Angebot der Muttergottes selbst, das Maria ihnen durch Pater Kentenich nahebringen wollte. Sie machten sich den Gedanken zu eigen, stellten sich durch die Sodalenweihe und unter der Leitung Pater Kentenichs in den Dienst der Muttergottes und setzten alles daran, der Charakterbildung und im Werktag ihres Lebens den von ihnen erwarteten Beitrag zur Verwirklichung der Lieblingsidee beizusteuern.
Diese Weihe und die darin enthaltene Zustimmung zu dem angetragenen Plan wurde im Lichte der späteren, höchst segensreichen Entwicklung das geschichtliche Liebesbündnis vom 18. Oktober 1914 genannt. Der Vortrag vom 18. Oktober 1914 aber erhielt den Namen Gründungsurkunde. Er bezeichnet die Geburtsstunde des Schönstattwerkes.