| published: 2008-10-16 |
Die Sache Schönstatts braucht Begeisterte...Zukunftstag der Oktoberwoche der deutschen Schönstatt-Bewegung |
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DEUTSCHLAND, mkf. Zukunftstag in der Oktoberwoche: bunt, locker, bewegt und kommunikativ, wie klang dieser 16. Oktober am Abend im Pater-Kentenich-Haus aus. Die bunten "Erklär mir Schönstatt"-Karten machen sich richtig gut an der Klassik der grauen Betonsäulen des Pater-Kentenich-Hauses. Und irgendwie ist der am Vormittag angesprochene Spagat zwischen alter und junger Generation, Bewahrern und Veränderern, Früh- und Spätübernehmern neuer Trends und Techniken gar nicht so groß. Zukunftstag: das war der Versuch, in einem breit angelegten Methodenmix den Prozess des Zukunftsforums in die Oktoberwoche herein zu holen. Zum Beginn wurde – als symbolischer Ausdruck dafür - die am Ende des Zukunftsforums im Urheiligtum ausgesandte Fackel in die Aula getragen und auf der Bühne ein Licht daran entzündet. Gut ein Drittel der Oktoberwochenteilnehmer waren auch Teilnehmer des Zukunftsforums im April gewesen; es ging an diesem Tag aber sowieso nicht darum, einfach nur davon zu berichten wie etwa sonst von wichtigen Ereignissen im Leben der Schönstattfamilie, sondern im Aufnehmen auch Auszuwerten und Weiterzugehen. Cornelia Orlob und Dorte Freisberg stellten zu Beginn in knapper Form Eckpunkte der Ergebnisse des Beteiligungsprozesses vor, zu dem im letzten Jahr bei der Oktoberwoche die gesamte deutsche Schönstatt-Bewegung aufgerufen worden war, vor. Aus etwa 500 Meldungen hatte das Team junger Erwachsener, das die Auswertung vorgenommen hat, als Schwerpunkte herausgestellt: Familie, Miteinander in Schönstatt, Zeitnöte, Projekte und Initiativen, Öffentlichkeit und Außenwirkung, Rolle der Jungen Erwachsenen, Schönstatt-Zentren, Gesellschaft und Kirche, pädagogischer Auftrag, Kraft der Gründung und Spiritualität, Strukturelles und der angestoßene "Zukunftsprozess" an sich. Wenn man einen Engel anschnallt, bricht er sich die FlügelUnter der Moderation von Pater Ludwig Güthlein, der gemeinsam mit Pater Dr. Lothar Penners, Sr. Birgida Hille und Sr. Vernita Weiß das zentrale Komitee des Zukunftsforums bildet, das "die Fäden in der Hand hält und weiter überlegt", äußerten sich Vertreter der mittleren Generation zur Notwendigkeit des Zukunftsprozesses und Impulsen aus dem Zukunftsforum. Uta und Prof. Dr. Joachim Söder – beide früher aktiv in der Schönstattjugend – haben beim Zukunftsforum erlebt, dass junge Menschen auch heute noch in Schönstatt Antwort auf ihre ureigendsten Fragen finden und sich in Schönstatt engagieren, und den Spagat meistern zwischen dem Leben in der heutigen technik- und medienorientierten Freizeit und Berufswelt und einem Schönstatt, das in Design, Sprache und Zeremonien eher "älter" wirkt. Wäre ja auch seltsam, wenn nicht, denn da war doch einer, der angetreten ist, Glaube und Alltag zu verbinden, oder? Die in München "beheimatete" Initiative "Erklär mir Schönstatt" mit 18 Karten in heutigem Design und Sprache sieht Ehepaar Söder als geglückten Beitrag, den Spagat noch besser gelingen zu lassen. Es geht um das Vertrauen in diese junge Generation. Hannelore Spannagel kommt von einer Erfahrung her, die das Zukunftsforum noch einholen muss: einem konsequent durchgeführten Strategieprozess in der Schönstatt-Bewegung Frauen und Mütter, der nach ehrlicher Bestandaufnahme und Analyse Konsequenzen gezogen hat in zwei konkreten Punkten: Mehr an Öffentlichkeitsarbeit und Mehr an offenen Veranstaltungen. Die Aufbruchstimmung in der Diözese und im Umkreis des Weltjugendtags bündelt sie in einem Satz: "Die Sache Schönstatts braucht Begeisterte". Denn: Wenn sich die Kirchen wegen der Finanzkrise wieder füllen, müssen wir da sein. Da sein auch für die Frauen heute mit ganz verschiedene Lebensentwürfen, hinhören auf ihre Fragen und Sehnsüchte. Und dabei darf dann auch etwas entstehen, womit man im Leben nicht gerechnet hätte: ein Gebetskreis junger Frauen, die sich regelmäßig zum Gebet im Stil des Lichter-Rosenkranzes treffen. Ein Wunsch, der aus dem Zukunfstprozess wachsen soll – und der im Lauf des Tages noch oft und oft angesprochen werden wird: mehr Wertschätzung und Wohlwollen, mehr gegenseitiges Wahrnehmen, mehr gemeinsames Bekenntnis: Wir sind Schönstätter! Pfarrer Lukas Wehrle, Oberkirch, spricht ausgehend von Erfahrungen in Gemeinde und diözesaner Schönstattarbeit von der Bedeutung der Beheimatung in Zeiten, in denen in Kirche und Gesellschaft immer mehr Menschen entheimatet sind. Aus dem Zukunftsprozess wächst, so sieht er, eine neue Erfahrung quer durch die Generationen und Gemeinschaften in einer starken Bereitschaft, aufeinander zu zu gehen und ein einfaches Miteinander zu leben. Einfach nur sich auf die gute Geschichte berufen, so Pfr. Wehrle, reiche nicht, aber genau so wenig reiche es, nur die Sprache zu ändern und zu meinen, dann würde alles neu. Das allein schafft keine Zukunft. Er erzählt von der Vorbereitung auf das Goldene Jubiläum des Oberkircher Heiligtums unter dem Thema: "Und alles wird neu". Dazu sind die Symbole des Heiligtums an Gliederungen und Gemeinschaften verteilt worden; die Statue des heiligen Michael blieb übrig und sollte darum mit in die Pfarrei. Als die Statue auf dem Rücksitz des Autos angeschnallt war und das Auto den Berg hinabfuhr, da ist ein Flügel abgebrochen. Wenn man Engel, die fliegen wollen, festschnallt, bricht er sich den Flügel. Pfarrer Wehrle ernst: "Wir dürfen einander nicht die Flügel brechen." In einer kurzen Runde, in der (teils zuvor angesprochene) Teilnehmer aus dem Publikum zu Wort kamen, wurde durchgehend das Miteinander der Generationen und Gemeinschaften als brennendes Anliegen genannt und "die Gnade der schöpferischen Treue". Und: Wir dürfen nicht warten, bis mehr Geld, mehr Leute und mehr Zeit da sind. Jetzt ist die Zeit, und es gilt auf die Frage: Wie soll das geschehen? auch Schönstatt die Antwort, die Maria erhalten hat. Ein Gedanke, der in die Feier der heiligen Messe hineinschwang. Eine besinnliche Zeit des Hörens auf ausgewählte Texte Pater Kentenichs zum Thema ließ in die Tiefe gehen... Aufeinander hörenIn über 30 Arbeitskreisen, räumlich auf dem ganzen Berg Schönstatt verteilt, befassten sich die Teilnehmer am Nachmittag mit dem "Gesicht Schönstatts für die neueste Zeit". Unter der Moderation von Bernhard Maas geben vier Arbeitskreisleiter aus der jungen Generation – Marie José Müller, Eva-Maria Baumgarten, Christoph Kurzhals und Pfr. Peter Göthke Eindrücke aus den Gesprächen wieder. Eigentlich bräuchte einleitend gar nicht noch einmal darauf hingewiesen werden, wie schönstatt-identifiziert diese junge Generation ist. "Darum sind wir doch hier." Es gibt so viele starke Erfahrungen mit Schönstatt, die andere anziehen: das Erlebnis der Gemeinschaft, die auch andere einfach mit hineinholt, die Erfahrung des Heiligtums, Erfahrungen guter, unkomplizierter Zusammenarbeit mit vertrauensvoller Delegation. Es gibt auch Blockaden und Nicht-Erreichtes: Schönstatt noch mehr als Marke "verkaufen" und sichtbar machen, nach außen als Schönstätter auftreten und nicht zuerst als Gliederung, die Chancen der Vielgestaltigkeit nutzen, ohne sich an Strukturen und Zuständigkeiten aufzureiben. Spannungen sind gewollt und sollen schöpferisch werden. Und irgendwo steht über und in allem das Wort, das auch das gesellschaftliche Tagesgespräch in diesem Oktober 2008 prägt: Vertrauen. Einander Vertrauen – als Generationen, als Gemeinschaften. Noch einmal neu anfangenDas angekündigte geistliche Wort des Leiters der Schönstatt-Bewegung, P. Penners, wird zu einer programmatischen Ansage. Das auf breiter Front und oft geradezu leidenschaftlich eingeforderte Mehr an Kooperation und Wohlwollen ist an diesem Tag so stark zu greifen, dass es zur Antwort verpflichtet. Pater Penners verzichtet darauf, geschichtliche Gründe für die wahrgenommen Defizite und Blockaden zu nennen, und wendet die Jahreslosung der Schönstatt-Bewegung Mädchen und Junge Frauen an: Es ist Zeit, zu springen. Haben wir die Möglichkeit, einfach noch einmal neu zu beginnen? Und könnte darin ein Rechnen mit Göttlichem liegen? Er führt, ausgehend von einem Gespräch der damaligen jungen Generation mit Pater Kentenich in der Zeit nach seiner Rückkehr aus Milwaukee auf, wie marianisches und Vaterklima in einem "Dreifaltigkeitsklima" des gegenseitigen Nehmens und Gebens noch einmal eine neue Dimension gewinnt. Pater Kentenich habe in seinen letzten drei Lebensjahren Austausch und Begegnung geradezu "erzwungen". Er wollte Menschen hineinnehmen in den Lebensstrom der Dreifaltigkeit, dieses schrankenlose In-, Mit- und Füreinander im Geheimnis der gegenseitigen Liebe. Die das "Miteinander" der Bewegungen aktiv miterlebt haben, so Pater Penners, haben bei Stuttgart I und Stuttgart II eine neue authentische Erfahrung gemacht, eine Erfahrung der Offenheit und Ehrfurcht im Umgehen miteinander, die etwas Trinitarisches hatte, gestützt auf die Erkenntnis: Die Kirche, die Christenheit braucht das eigene, aber auch das andere Charisma. Der Geist Gottes wirkt auch bei den anderen. Es gelte – im Miteinander der Bewegungen wie im föderalen Schönstatt – wegzukommen von der sozial-psychologischen Klippe jedes Miteinander, nämlich der Überzeugung: "Wir sind die eigentlichen...". Wenn wir mit dem Wirken des Geistes des Vaters in der anderen Bewegungen, in der anderen Gliederung rechnen, wenn wir mit Göttlichem rechnen, dann hilft das leicht über das Zurückschrecken vor dem Anderen und Fremden hinweg. Die geistgewirkte Wertschätzung ist Voraussetzung glückender Kooperation; dazu sind Ehrfurcht und Vertrauen nötig. Wir sollten etwas mehr an Interesse und Information wagen und, so Pater Penners weiter. Und wäre es nicht möglich, aus diesem Miteinander für Schönstatt heraus in der Erstverbreitung Schönstatts als Schönstatt aufzutreten (und nicht zuerst von der Gliederung her), und da auch Potentiale zusammenzulegen. Heiligtum der gegenseitigen LiebeDas Wort von der "gegenseitigen Liebe" kommt aus dem Raum des Miteinander der Bewegungen. Doch, so Pater Penners, es passt in tiefer Weise auf das Heiligtum, das vielleicht einzigartig ein "Heiligtum der gegenseitigen Liebe" ist, und nur aufgrund gegenseitiger Liebe Heiligtum ist. Jedes Schönstatt-Heiligtum lebt vom Geheimnis der gegenseitigen Liebe – und das Heiligtum Schönstatt auch. Von dem neuen Anfang, den die deutsche Schönstattfamilie jetzt machen kann, weil sie selbst so sehr danach drängt, könnte die MTA die Erfüllung ihrer Herzensanliegen abhängig machen... Mit einer marianischen "Hörzeit" auf das, was jeder an diesem Tag von anderen aufgenommen hatte, schloss dieser Nachmittag, um dann in den Begegnungsabend im Pater Kentenich-Haus überzugehen, wo sich Initiativen und Projekte vorstellten – sei es bei Präsentation in der Aula oder im "Bistro-Stil". Vieles davon wird am am 18. Oktober auf der "Schönstatt-Meile" wieder finden!
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17.10.2008