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 published: 2005-10-16

Überlebenszeit ist jetzt

Zeitenstimmen - Foren zu Fragen, die uns angehen: Forum 5

 

Foro: Inseguridades y medios en nuestra sociedad

Forum: Insecurities and fears in our society

"Überlebenszeit ist jetzt": das interessierte rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Oktoberwoche

 

 

Moderación: P. Theo Breitinger

Moderation: Fr. Theo Breitinger

Moderation: Pater Theo Breitinger, Schönstatt

 
 

El P Breitinger comenzó con el texto de una canción tipica

Fr. Breitinger started with the text of a typical song

Pater Breitinger eröffnete das Forum mit einem Lied der Söhne Mannheims: "Dein Leben"

 
 

Panelistas: Karin Abel, Hiltpoltstein, Martina Schidla, Waldbrunn, Dr. Helmut Müller, Universidad de Koblenz (de der.)

Panelists: Karin Abel, Hiltpoltstein, Martina Schidla, Waldbrunn, Dr. Helmut Müller, University of Koblenz (from right)

PodiumsteilnehmerInnen: Karin Abel, Hiltpoltstein, Martina Schilda, Waldbrunn, Dr. Helmut Müller, Uni Koblenz (v.r.n.l)

 
 

Testimonio: Martina Schidla

Testimony: Martina Schidla

Zeugnis: Martina Schilda

 

 

Fotos: POS Brehm © 2005

 
   

OKTOBERWOCHE; M. Nurit Stosiek. Rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Oktoberwoche hatten sich für das Forum 5: "Überlebenszeit ist jetzt: Verunsicherungen und Ängste angesichts der Veränderungen in unserer Gesellschaft" entschieden. P. Theo Breitinger als Moderator des Forums stimmte auf das Thema ein, indem er auf die verschiedenen Ebenen von Verunsicherung im menschlichen Leben und in der heutigen Gesellschaft verwies. Es folgte die Einspielung eines Songs der "Söhne Mannheims", der diesem Forum den Namen gegeben hatte: "Überlebenszeit ist jetzt".

Im Anschluss daran folgten zwei Statements, die aus der Sicht einer jungen Frau (Martina Schidla) und einer Frau nach Scheidung und massiven beruflichen Einbrüchen von der Erfahrung Zeugnis gaben: Ich bin geführt, auch wenn ich nicht weiß, wohin mein Weg führt. Verunsicherungen und Ängste lassen sich angehen und tragen aus der Kraft des Glaubens und durch die Hilfe von Menschen, die aus diesem Glauben leben. Schönstatt wurde von beiden als entscheidende Lebenshilfe erfahren.

Im Anschluss daran stellte Dr. Helmut Müller, Dozent an der Universität Koblenz, das Thema des Forums in große Zusammenhänge. Er zeigte auf, welche Umschichtungen gerade unsere deutsche Gesellschaft in den letzten 50 Jahren zu verzeichnen hatte, wie der Wechsel zum "flexiblen Menschen" zwar manche Vorteile, aber eben auch Ängste und Verunsicherungen mit sich brachte, und zeigte die "Überlebenszeit" der Gesellschaft mit Hilfe demographischer Beispiele an: Eine Gesellschaft, in der die nachwachsenden Generationen immer kleiner werden, gerät an die Überlebensgrenze. Der Referent zeigte auf, wie dieses Phänomen viele andere Verunsicherungen (etwa das Problem des wirtschaftlichen Wachstums) im Gefolge hat und forderte dann die Zuhörer auf: "Lernen wir von Harry Potter!"

Der Schritt über die Schwelle

"Der Zauber der Harry Potter-Romane", so Müller, bestehe "in der Annahme einer anderen Welt hinter der unseren: Die Welt in diesen Romanen ist nicht mehr flach und für kurze Zeit vordergründig reizend, ohne Visionen und geheimnislos, vielleicht schon gänzlich ausgekostet. Bei vielen jungen Leuten ist die reale Welt, in der sie leben, vielleicht auch schon ohne jeden erotischen Zauber, wenn manche schon mit achtzehn einem halben Dutzend Freunden den Laufpaß gegeben haben. Der bedeutendste Soziologe des 20. Jahrhunderts, Max Weber, hat den Begriff der Entzauberung der Welt geprägt. Joanne K. Rowland hat sich im wahrsten Sinne des Wortes um eine Wiederverzauberung der Welt verdient gemacht, auch wenn es sich um eine zweifelhafte handelt."

Dieser Schritt über die Schwelle in eine andere Welt, der bei Harry Potter so viele fasziniert, ist uns in diesem Jahr an dem großen Papst Johannes Paul II. in viel realerer Weise deutlich geworden. "Eine Schülerin von ihm sagte einmal: ‚Er ist seit 80 Jahren dorthin unterwegs, wo er immer schon sein wollte’. Johannes Paul II. hat der Welt vorgelebt, dass der Schritt in die jenseitige Welt leben hilft, dass er hilft, auch große Unsicherheiten und Verunsicherungen von anderswoher zu lösen.

"In den letzten Jahren ist das immer offenkundiger geworden, daß hier ein Mensch zwar in unserer Welt lebt, aber Kraft, Mut, Hoffnung, Visionen und Inspiration aus einer anderen Welt bezieht." – Dieser Mensch hat die Welt geprägt über seinen Tod hinaus: Die 1,1 Millionen Menschen, die zum Weltjugendtag nach Köln gekommen waren, waren noch von seinem Geist getragen.

Müller machte Mut, die "andere Welt hinter dem Weihwasserbecken" zu entdecken, als Christen den Schritt über die Schwelle immer neu zu tun, indem wir wahrnehmen, was die Kirche uns an Überlebenshilfen anbietet, die existentiell sind:

So lässt etwa das Beten des Kreuzwegs lernen, "daß die Mühsal des Lebens kein Herausfallen aus der Welt ist, sondern dazu gehört und zeigt, daß alle Mühsal uns nicht kleinkriegt." Die Beichte sagt uns, "wenn wir auf den Straßen unseres Leben im Straßengraben gelandet, gegen eine Wand gefahren sind, das wahre Leben, das uns in der Taufe geschenkt worden ist, kann hier wiedergewonnen und erneuert werden." Der Blick auf die Heiligen zeigt, "daß nicht wenige die Straßen des Lebens glücklich vollendet haben. Das Bild Marias, das es in jeder kath. Kirche gibt, ist ein Bild mütterlicher Sorge, das die barmherzige Vaterliebe Gottes, die uns im Bußsakrament begegnet in einem weiteren menschlich-mütterlichen Ton bereichert."

Als Christ hat man das Gute noch vor sich

Der Schritt über die Schwelle einer Kirche, über die Schwelle unseres Glaubens führt schließlich zur Begegnung mit dem Herrn im Sakrament: "’Unsere größte Sorge sollte sein, daß Gott angebetet und geliebt wird’". Dieses Wort von Karl Rahner ist das beste Heilmittel gegen Egomanie, das es gibt, gegen das sich selbst und die Welt neu erfinden, in einer Gesellschaft, die Gott aus der Verfassung streicht und deren Politiker Gott aus der Eidesformel weglassen. Wenn Anbetung die größte Sorge ist, dann ist das eigene Ego automatisch nicht mehr das Größte. Dann stimmen wieder die Verhältnisse."

Der Referent schloss mit einem Wort, das er einmal in einer Predigt Pater Alliendes gehört hatte und das ihn seither begleitet: "’Als Christ hat man das Gute noch vor sich". Ich füge hinzu, egal, welche Lebenstäler wir bis zum Ende unseres Lebens durchschritten haben. Das Leben Johannes Pauls macht diesen Ausdruck des christlichen Glaubens, glaubhaft. Wir dürfen annehmen, daß er jetzt dort lebt, wo er immer schon sein wollte, im Hause des Vaters. "Als Christ hat man wahrhaft das Gute noch vor sich".

Unser Glaube trägt

Es folgte eine Diskussion, in der verschiedene Akzente vor allem des Statements nochmals zur Sprache kamen.

Am Ende fasste Pater Breitinger als Moderator die Lösungsansätze des Nachmittags prägnant so zusammen:

Die hintergründige Frage bei allen Verunsicherungen ist die Frage nach dem tragenden Fundament, die Frage nach Gott: Wo ist er in der Krise, wo kann ich mich bei ihm festmachen? – Hier lässt sich ein Vierfaches nennen:

Da ist zunächst ein Lösungsansatz in der personalen Beziehung. In der Krise die Bindung an Menschen, die Rückhalt und Orientierung geben. Das wurde gerade in den Statements deutlich.

Das zweite: Das Vertrauen auf Gott, der Sprung über die eigene Grenze hinweg auf Gott hin, sich von ihm führen lassen, auch wenn man noch nicht genau sieht, wohin es führt.

Das dritte: Unsere Kraft kommt aus einer anderen Welt. Der "Schritt über die Schwelle". Weil die weltimmanenten Kräfte vielfach schon erschöpft sind, braucht es etwas, was über unsere menschliche Kraft hinaus geht.

Das vierte: Als Christ hat man das Gute immer noch vor sich. Egal was passiert, egal, welche Täler man noch durchschreiten muss: Unser Glaube trägt.

 

 

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