Dass jedes Leben wertvoll istDie Schönstatt-Bewegung Frauen und Mütter in der Diözese Rottenburg-Stuttgart krönt Maria zur Königin der Menschenwürde |
DEUTSCHLAND, Liebfrauenhöhe, mkf. "Ich grüße jeden Rollstuhlfahrer" - "Es kostet mich noch, jeden Wohnungslosen freundlich anzuschauen, aber ich kann schon beten: Gott mein Vater, auch er ist von dir geliebt und liebevoll angeschaut". - "Wir haben immer darauf geachtet, dass in der Familie ein guter Umgangston herrscht; als wir nacheinander meine Mutter und meinen Vater als Schwerstpflegefälle zu Hause hatten, haben unser Kinder und Enkelkinder sie immer sehr liebevoll angesprochen." Dass sie nicht bei schönen Worten über die "Menschenwürde" stehen bleiben, zeigte sich am 25. September in Zeugnissen wie diesen. Gut 1200 Frauen waren an diesem Tag auf die Liebfrauenhöhe gekommen; weil der Einsatz für die Würde des Menschen in allen Phasen des Lebens ihnen so wichtig ist, haben sie Maria zur "Königin der Menschenwürde" ernannt und gekrönt - ein Titel, den man auf der Landkarte der überlieferten Anrufungen der Mutter Gottes bisher vergebens sucht. "Sie ist auch die Königin meiner Menschenwürde," sagt eine der Frauen. "Sie zeigt mir, dass ich kostbar und wertvoll bin, ganz egal, was ich leiste oder was von mir denkt; und wenn ich das sicher im Gefühl habe, dann kann ich auch anderen vermitteln: Du bist kostbar und wertvoll." Nicht eine Königin auf einem Podest oder einem Altar sollte es sein, da waren sich Maria Pfeifer und Agnes Forderer von Anfang sicher; nein, auf Augenhöhe mit den Frauen und Müttern sollte die "Königin der Menschenwürde" sein, ganz nah, mittendrin, da, wo sie sie erlebt haben und wo sie sie im Alltag immer wieder gekrönt haben: mitten unter ihnen, unten im Alltag des Lebens, da, wo die Menschenwürde bedroht und wo sie auch gerettet wird. "Deine Maria"Es ist einer der bewegendsten Augenblicke dieses Festes, zu dem die Frauen und Mütter aus der ganzen Diözese von Maria selbst eingeladen worden sind. "Ich möchte dir sagen, dass ich mich freue, wenn du kommst und dabei bist - ob mit dem Auto oder Bus, oder im Geist und mit dem Herzen, Deine Maria - Königin der Menschenwürde." Jetzt stehen sie vor ihr, still, strahlend manche, mit Tränen in den Augen andere: weißhaarig, leuchtend rot gefärbt, Rastazöpfchen... "Eine richtige Audienz bei der Königin ist es," so haben die beiden jungen Moderatorinnen gesagt. Die Mütter stehen Schlange, um die Königin der Menschenwürde zu grüßen, sich von ihr grüßen zu lassen. Sie bringen ihr als Geschenk finanzielle Beiträge für zwei Projekte zum Schutz der Menschenwürde; über 21.000 Euro sind es, die in den bunten, liebevoll verzierten Briefumschlagen gebracht werden. Vorher hatten die Frauen ihre persönlichen Krönungsgeschenke aufgeschrieben und auf die Rückseite der mit großen und kleinen Kronen verzierten Zettel die Namen derjenigen, die sie zur Königin der Menschenwürde mitbringen, für die sie beten. Während die Frauen in langsam vorrücken in der Schlange vor dem Bild der Mutter aller Menschen, klingt das Gebet nach, das vorher gesprochen wurde: Maria, wir bringen die unseren apostolischen Einsatz für die Würde des Menschen am Beginn des Lebens: das Mühen um die Durchführung des Mutter-Elternsegens, die finanziellen Gaben für das Projekt "Hoffnung neuen Lebens" in der Karibik, das jungen Frauen Alternativen zur Abtreibung zeigt: Gegrüßet seist du, Maria ... Maria, wir bringen dir unseren apostolischen Einsatz für die Würde des Menschen am Ende seines Lebens: die Unterschriftenaktion für ein Sterben in Würde und gegen die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe, die finanzielle Unterstützung beim Aufbau eines Kinderhospizdienstes: Gegrüßet seist du, Maria... Jede bekommt einen persönlichen Brief von der Königin mit: "Du bist mir kostbar und wertvoll, noch wertvoller als die Krone aus Gold, die ich mit Freude als Zeichen deiner und eurer Liebe wieder trage... Deine Maria, Königin der Menschenwürde" Drei Kronen, drei WallfahrtsgnadenDass an diesem 25. September alle Generationen der Schönstattgemeinschaft Frauen und Mütter sich in einer Krönungsfeier wiederfinden würden, und dass sie gemeinsam mit einer Nachbildung der ersten Krone der Schönstattmütter von Rottenburg-Stuttgart, 1964 geschenkt, Maria zur Königin der Menschenwürde krönen würden, das war nicht abzusehen. Die Krone, 1989 für das Bild der Gottesmutter im Foyer der neu erbauten Begegnungstätte geschenkt, war 2000 gestohlen worden. Erlebnisse und Erfahrungen von Menschen, die sich um die Krone ranken, und was diese Krone bewirkt hat, das interessierte nach einigem Zögern auch die jungen Frauen, die die Geschichte mit der Krone nicht miterlebt hatten und sich eigene Zugänge suchen mussten und sollten. Aus dem, was Frauen aller Generationen an Erlebnissen und Erfahrungen mit der Krone in unzähligen Interviews gesagt hatten, wurden Linien sichtbar. Drei Kronen sind es - die erste, 1964 geschenkt, hatte viel zu tun mit der Sehnsucht nach der Heimkehr des Gründers aus dem Exil, mit Zusammenhalt und Gemeinschaft, mit Treue zum Gründer, zum Heiligtum, zur Gottesmutter - und mit dem ersten eigenen Raum, den die Mütter auf der Liebfrauenhöhe bekamen und der Freude, dass sich Pater Kentenich, ein Jahr nach der Krönung heimgekehrt nach Schönstatt, am 30. Mai 1966 bei seinem Besuch auf der Liebfrauenhöhe "entführen" ließ in diesen Raum, um dort mit den Müttern gemeinsam die Gottesmutter noch einmal zu krönen. Im Jahr 1989 kommt eine zweite Krone ins Spiel; sie sieht genauso aus wie die erste, hat aber einen neuen Akzent: sie ist für die Begegnungsstätte gedacht, und verbindet sich mit dem Anliegen des Aufbaus neuer Gruppen, der Formung und Erziehung von Frauen, die im Alltag tragfähig sind und an den Schwierigkeiten des Lebens reifen. In der Krone sind Eheringe verstorbener Ehemänner eingearbeitet und das Ja zu ihrem Tod. Eine Frau erinnert sich noch heute daran, dass ihr Krönungsgeschenk die Überwindung eines Streits mit einer anderen war... Das Jahr der Krönung ist das Jahr, in dem die Berliner Mauer fällt. Richtig gezündet hat der Wunsch, nach dem Raub dieser zweiten Krone erneut zu krönen, Anfang des Jahres 2004 mit der Entscheidung, die Gottesmutter zur Königin der Menschenwürde zu krönen und als Krönungsgeschenk die Unterschriftenaktion gegen die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe, für die bisger über 43.000 Unterschriften gesammelt wurden, und den Einsatz für die Verbreitung des Mutter-/Elternsegens zu geben. Damit verbindet sich konkretes finanzielles Engagement: für das Kinderhospiz-Projekt des Malteser-Hilfsdienstes in der Ostalb und für ein Projekt in der Dominikanischen Republik, wo Schwangeren geholfen werden soll, Ja zu sagen zu ihrem Kind. Mit der finanziellen Unterstützung dieser beiden Projekte soll der Schutz der Menschenwürde an den beiden verletzbarsten Punkten, ganz am Anfang und ganz am Ende des Lebens, unterstützt werden. "Wie schön die drei Kronen mit den drei Wallfahrtsgnaden verbunden sind", sagt eine argentinische Mitarbeiterin von PressOffice Schönstatt, "Beheimatung, Wandlung, und jetzt so ganz die Sendung, das Apostolat." Verblüffung auf den Gesichtern. Das hat keiner so gesehen, aber: es stimmt. Die drei Kronen und Krönungen haben einen tiefen inneren Zusammenhang, nicht gemacht, sondern geschenkt. "Danke, Gottesmutter, dass wir selbst ein Teil der Geschichte deiner Krone sind, dass wir ihre Geschichte mitgestalten dürfen..." "Mein Gruß gilt jedem Rollstuhlfahrer"Selbstverständlich wie selten glückt beim Fest, was auch die Vorbereitung geprägt hat: es ist gewachsenes Leben, das sich hier Ausdruck schafft, und was nicht gewachsen, sondern nur übernommen wäre, kommt einfach nicht zum Zug. Die Idee "Menschenwürde" und die Idee "Königin" sind mit konkreten Lebensvorgängen im Alltag verbunden, nachvollziehbar und anwendbar geworden. Maria zur Königin der Menschenwürde krönen, wird konkret, wo eine der Mütter sich sagt: "Ich grüße jeden Rollstuhlfahrer und suche Blickkontakt mit ihm; und ich bete: Mutter, grüße ihn, grüße sie." Oder wenn eine Krankenschwester dem Alkoholkranken zum zehnten Mal noch liebevoll aus dem Bett hilft. Wenn jemand täglich betet: "Lass meinen Weg Menschen kreuzen, die meinen liebenden Blick brauchen" oder Wenn eine Frau, die enterbt wird, sagen kann: "Die Königin der Menschenwürde hat mir ein sicheres Lebensgefühl gegeben: Sie haben mir mein Erbe nehmen können, aber meine Würde nicht." Es sind diese Zeugnisse, in der Krönungskirche vorgetragen, die spüren lassen, wie stark der apostolische Charakter dieser Krönung Lebensgefühl geworden ist. "Zum erstenmal habe ich meinem Mann sagen können, was ich einen ganzen Tag lang auf der Liebfrauenhöhe tue, überhaupt, was wir tun; mit Maria und Krone kann er nun wahrhaftig nichts anfangen, aber dass wir uns einsetzen für die Menschenwürde und dass wir ein Kinderhospiz unterstützen, das findet er einfach toll." "Freude an diesem vertieft geschauten Wesenszug der Königin", hat Pater Dr. Lothar Penners, Leiter der Schönstattbewegung in Deutschland, den Frauen in seinem Grußwort gewünscht; und "vor allem aber: ein großes Maß an gläubiger Ergriffenheit über die mögliche Tragweite Ihres Tuns – dass Maria tatsächlich neu aufleuchten möge als Inbegriff menschlich-personaler Würde und dass ihre gnadenvolle Macht beim dreifaltigen Gott und über die Herzen der Menschen wirklich etwas bewirken will: in der Einstellung vieler Menschen sich selbst gegenüber, aber auch der gesellschaftlichen Verhältnisse, nicht zuletzt auch im Blick auf die Würde der Frau." Jeder Mensch ist in seiner Ganzheit von Gott gewollt und geliebt, sagt Pfarrer Pozorski in seinem Gruß am Morgen, "und genauso die Erde, der Kosmos..." Maria wisse um die Nöte der Zeit, um die Nöte der Menschen; in ihr würden heute alle gekrönt. Sie ist die Hoffnung auch für uns in der Menschenwürde angeschlagene Menschen, die Hoffnung, dass in Gott alles gut wird. Irgendwie hat es auch mit Würde zu tun, dass sich die Frauen beim neuen Titel und neuem Inhalt der Krönung für die alte Form der Krone entschieden haben. Deren Form ist Geschmackssache. Doch "die Entscheidung für diese alte Form hat mir gut getan", sagt eine der jüngeren Mütter. "Nicht wegen mir, sondern um der Frauen willen, die in die Krone von 1989 viele persönliche Opfer hineingeschenkt haben, z.B. die Eheringe ihrer verstorbenen Männer ." Organisation, die man fast nicht merktNoch etwas fällt auf an diesem regnerischen, kühlen Septembertag, an dem über 1200 Frauen die Liebfrauenhöhe bevölkern, oder besser - es fällt fast nicht auf: die niederschwellige Organisation, die so wenig spürbar ist, dass sie nie in Gefahr kommt, Erlebnis und Atmosphäre zu stören (es gibt den ganzen Tag über nicht eine einzige Ansage!), und so ausgefeilt, dass alles wie am Schnürchen läuft ohne Unsicherheiten, Staus und Nervosität. Wie viele mithelfen im Hintergrund, merkt man nur bei einem Blick in den Speisesaal für Helfer. Und selbst die Hauptverantwortlichen strahlen noch Ruhe aus und das Gefühl, auch selbst ganz drin zu sein im Geschehen, nicht nur zu organisieren, sondern Zeit zu haben für einen Blick hier und ein Gespräch da und für das eigene Feiern und Beten. Dass das Mittagessen in das rotierende Programm eingebunden ist und so in vier Durchgängen alle 1200 Frauen ein Festessen bekommen, spricht für sich... Mensch bleibt immer MenschUnd dann ist es soweit. Die Bezirksträgerinnen geleiten, rote Rosen in den Händen, das Bild der "Königin der Menschenwürde" von der Aula in die Krönungskirche; die Priester folgen. Beim Einzug in die Kirche bilden die Frauen mit ihren Rosen Spalier für die Königin, dann treten sie nacheinander vor - Frau Scheuerle, die erste Diözesanträgerin, zuerst -, und schmücken das Bild der Gottesmutter mit ihren Rosen. Pfarrer Karl-Heinz Pozorski begrüßt die konzelebrierenden Priester: Pater Theo Breitinger als Vertreter der Zentrale, P. Gabriel M. Maiwald, der nachher die Spende für das Kinderhospiz entgegen nehmen wird, Pfarrer Georg Egle (Diözesanleiter), Pfr. Braun und Pater Ritter, und mit besonderer Freude einen Priester, der zwar nicht mit am Altar steht, der aber die Geschichte dieser Kronen mitgeprägt hat wie kaum einer: Pfarrer Härle, der erste Diözesanstandesleiter der Mütterbewegung in der Diözese. Schwester M. Lioba Rupprecht, Provinzoberin der Marienschwestern, wird "mit allen Schwestern" herzlich begrüßt. In seiner Predigt greift Pfarrer Pozorski die Themen des Tages auf und bündelt auf die apostolische Dimension der Krönung hin. Es gehe um das Gespür für das wahrhaft Menschliche und es geht um die Ehrfurcht vor der Würde, die es zu entwickeln gilt, uns selbst und denen gegenüber, mit denen wir zusammen leben und wirken. Es geht um ein Zeugnis für das Leben von seinem Anfang bis zum Ende, "eine lebendige Menschenkette für die Würde der menschlichen Person". Es gehe um den Einsatz für die Liebe und das konkrete Leben. Wie begegne ich dem türkischen Vater? Wie ist mein Umgangston zu Hause und am Arbeitsplatz? Mensch bleibt Mensch. So einfach ist das mit der Menschenwürde: Mensch bleibt Mensch, ob er krank ist oder schmutzig, aus der Bahn geraten oder verwirrt. Gottes Ebenbild bleibt Gottes Ebenbild, und: Gottes Kind, in der Taufe von ihm angenommen, bleibt immer Gottes Kind. Die Königin der Menschenwürde steht zu jedem Menschen, und mit ihr stehen wir zu ihm: darum krönen wir sie, jetzt, hier, und in unserem Alltag. Königin der MenschenwürdeEs ist ein bewegender Moment in völliger Stille, als Pfarrer Pozorski nach den vielen Erlebnissen und Worten dieses Tages ganz schlicht, kniend vor dem Bild an den Stufen des Altars, die Krone in die Hand nimmt und diese dann auf das Bild setzt. Jetzt ist sie die Königin der Menschenwürde aller, die hier in der Kirche sind und aller, denen sie begegnen werden. In einem symbolreichen Gabengang bringen die Frauen Körbe mit ihren finanziellen Gaben, mit Unterschriftenlisten, mit Babyschuhen als Zeichen des Einsatzes für den Mutter-/Elternsegen, eine Kerze als Zeichen der Sehnsucht nach Frieden, die Weltjugendtagsfahne. Vor dem Segen nehmen Pater Gabriel Mailwald und Pfr. Georg Egle sichtlich bewegt die finanziellen Spenden entgegen. Mit über 11.000 Euro für jedes Projekt haben sie nicht gerechnet... "Es geht um konkrete Menschen hier bei uns und um konkretes Handeln von 'einem von uns' in der Karibik, das bewegt." "Ich nehme das Geld nicht als Spende von Ihnen an, sondern als Geschenk der Muttergottes, der sie die Spenden gegeben haben," sagt Pater Gabriel. "Da weiß ich, dass darauf mehr Segen ruht als auf irgendeiner Spende." Der Auszug der "Königin der Menschenwürde" wird mit spontanem Beifall begleitet, viele folgen noch zur Aula, wo das Bild seinen Platz findet. Es klappt erst im dritten Anlauf mit dem Befestigen... hat es der Königin der Menschenwürde gefallen, unterwegs zu sein? In den 1200 Frauen, die sie heute gekrönt haben, wird sie weiter unterwegs sein... |
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Last Update: 29.09.2004
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