Tag der offenen Tür im "Bundesheim Schönstatt"
internationale Begegnung und Feier mit familiärem Charakter
Dokumentation
Predigt von Erzbischof Francisco José Cox, Chile


15. August 1998

Liebe Zuhörer, liebe Brüder im Priesteramt, liebe Schwestern und Familien, liebe Vertreter der Verbände und Bünde, liebe Freunde und Gäste!

Vor 70 Jahren hat Bischof Bornewasser dieses Bundesheim geweiht. Gebaut von den Pallottiner-Patres der Limburger Provinz mit Unterstützung der Schönstatt-Bewegung ist es dem Ort geworden, wo unser Vater und Gründer seine vielfältige und unermüdliche Tätigkeit entfaltete, zusammen mit seinen engen Mitarbeitern, unter denen viele Pallottiner-Patres waren. Unter seiner Inspiration und Leitung entstand hier eine gnadenvolle Entwicklung für Menschen und Gemeinschaften der Schönstatt-Familie und für weite Kreise der katholischen Kirche in Deutschland.

Die Gottesmutter war der Mittelpunkt der Spiritualität und der Erziehungsweisheit von Pater Kentenich. Getragen von der Realität des Liebesbündnisses hat er die Gottesmutter verkündet und in seine erzieherische Arbeit hineingezogen, als das vollendete Ideal des Christen und gleichzeitig als die Mutter und Erzieherin, die wir brauchen, um dieses Ideal zu erreichen.

Heute, am Fest Maria Himmelfahrt, dürfen wir denken, daß die Gottesmutter, mit besonderer Liebe auf diese liturgische Gemeinschaft schaut, die sich an diesem Ort versammelt hat, wo so oft, so tief und so fruchtbar von ihr gesprochen wurde und wo so viele Menschen in der Liebe zu ihr gewachsen sind. Unter Ihrem Blick fühlen wir uns besonders geborgen. Mit Ihr wollen wir versuchen, die Bedeutung des heutigen Tages zu betrachten.

Heute erleben wir ein Ereignis, das ein

ein überraschendes Ereignis

Daß es ein überraschendes Ereignis ist, ist leicht zu erkennen.

Die Zeiten haben sich in den 70 verflossenen Jahren ganz stark gewandelt. Damals war das Haus eine dringende Notwendigkeit, um so viele Menschen zu beherbergen, die eine religiöse Bildung suchten. Heute gibt es im Raume Schönstatt viele Häuser, die einen solchen Dienst leisten. Und die wachsende Säkularisierung der Gesellschaft macht es viel schwieriger, die Menschen für das Gottesreich zu interessieren.

Es ist überraschend, daß eine teure Unternehmung, wie es der Kauf des Hauses ist, die wirtschaftlichen Mittel von einem kleinen Land der Dritten Welt - Chile - bekommen hat, dank des hochherzigen Beitrags von Herrn Fernando Arrau, der das Geld zur Verfügung stellte. Daß Chile wirtschaftliche Hilfe von Deutschland bekam, war ziemlich normal. Überraschend ist aber, daß Deutschland von Chile wirtschaftliche Hilfe bekommt.

Es ist auch überraschend, daß verschiedene Verbände und Bünde der Familie zusammen mit einer chilenischen Stiftung einen e.V. konstituierten, um das Unternehmen dieses Hauses in die Zukunft zu tragen. Das geschieht auch nicht jeden Tag.

ein freudiges Ereignis

Es ist aber auch heute ein freudiges Ereignis was nun hier geschieht.

Für die ganze Schönstattfamilie ist dieses Haus - das Urschulungsheim - mit dem Gründer und mit der Geschichte der Familie tief verbunden. Wir werden diese Beziehung mehr und mehr erkennen und schätzen lernen, wenn das Haus in Gebrauch kommt, im Dienst der gesamten internationalen Schönstatt-Familie. So ist es mir persönlich in diesen letzten drei Tagen geschehen, während ich hier gewohnt habe. Ich war ein oder zwei mal im Hause um das Jahr 1956, und zwar ganz kurz, als Pallottinerstudent. In diesen Tagen aber, habe ich mir erzählen lassen, und darüber nachgedacht, über alles was in der Geschichte der Familie hier (durch Personen und Tätigkeit unseres Vaters und Gründers) geschehen ist. Herr Pater hat hier seine ständige Wohnung und seien Arbeitsplatz während fast 20 Jahren gehabt.

Diese Erinnerungen drängen sich wieder in der Vordergrund. Nicht nur in mir, sondern bei allen, die die Geschichte der Familie kennen und besonders bei denjenigen, die sie hier teilweise miterlebt haben. Mehrere Schwestern haben etwas ähnliches erlebt, als sie das Bundesheim wieder besucht haben.

Sich an diesem Ort wieder als Familie zu finden ist bestimmt ein freudiges Ereignis, und daß es möglich war, aufgrund des Angebotes der Pallottiner-Patres, das Haus zu kaufen, mit seinem gewaltigen historischen und geistigen Wert, ist bestimmt ein Grund zur Freude. Und die Eucharistie gibt uns die Gelegenheit diese Familienfreude, mit der Gottesmutter und mit der ganzen Heiligen Dreifaltigkeit zu feiern.

Ein vielversprechendes Ereignis

Das Ereignis des heutigen Tages im Bundesheim ist auch ein vielversprechendes Ereignis. Heute, so meine ich, dürfen wir auch genügend Segen erwarten für die Entwicklung der Familie, nicht nur in Deutschland sondern auf internationaler Ebene.

Ich möchte in sorgsamer und demütiger Weise in drei Richtungen hinweisen:

1. Das Bundesheim ist vielversprechend in Sinne der Internationalität der Familie.

Es scheint der passenden Ort zu sein, wo der internationale Charakter des Werkes sich deutlich zeigen kann. Jeder, der nach Schönstatt kommt, aus irgendeiner Landesfamilie, soll sich hier daheim fühlen. Hier könnte ein Ort entstehen, wo die nationalen Sendungen sich finden und sich gegenseitig befruchten und ergänzen können. Hier kann ein Ort entstehen wo die Sendung der Familie für die heutige Kultur und Gesellschaft neue Form und neuen Ausdruck findet. Dies ist keine leichte Aufgabe für jene, die die Hauptverantwortung haben, für den Geist des Hauses zu sorgen. Viel Gebet (Anbetung) wird die Kraft bringen, um einen offenen und ermutigenden Geist im Haus zu pflegen.

Die Tatsache, daß das heutige Ereignis tief mit dem Urheiligtum und mit der Sendung des 31. Mai verbunden ist, spricht in dieselbe Richtung. Von diesem Ort aus hat Herr Pater seine großen Auslandsreisen angefangen, um die Saat des Liebesbündnis und die Sendung Schönstatt in die weite Welt zu bringen. Im Bundesheim soll dieser apostolische Drang immer lebendig bleiben.

2. Vielversprechend ist das heutige Ereignis auch im Sinne des Arbeitsstils, den Herr Pater in diesem Haus entfaltet hat.

Es ist auffallend zu merken wie Herr Pater gleichzeitig drei verschiedene Tätigkeiten entfaltete:

Auffallend ist auch noch die Tatsache, daß am Anfang der Familiengeschichte, durch eine tiefe Bindung an dem Vater P. Kentenich, verschiedene Personen und Gliederungen zu einer tiefen Familien- und Arbeitsgemeinschaft geführt worden sind. Daß alle in demselben Haus und unter der direkten Leitung des Gründer tätig waren, hat einen Geist zustande gebracht, der charakteristisch ist für die ersten Gründungsjahre. So wie für die Kirche das Leben der ersten christlichen Gemeinschaften für immer ein Leitbild bildete, an dem die christlichen Gemeinschaften aller Zeiten sich orientierten, so soll der in diesem Haus vorgelebte Familien- und Arbeitsgeist Vorbild sein, für die Zusammenarbeit der verschiedenen Personen und Gliederungen der Familie heute, im Dienste der einen Sendung der Familie.

Selbstverständlich haben wir heute mit der Entwicklung der einzelnen Gliederungen ganz unterschiedliche Verhältnisse zu damals, die neue Formen und neue Lösungen verlangen. Aber ein Blick auf das, was in diesem Bundesheim damals lebendig war, kann sicher helfen, um nach dem Ideal in diesem Sinne zu streben.

3. Vielversprechend ist dieses Ereignis auch im Hinblick auf das ganze Jubiläum des Jahres 2000.

Der Heilige Vater hat dieses symbolkräftige Datum seit Jahren betont. Er ruft die Kirche auf, würdig und tief den zweitausendsten Geburtstag des Herrn aus Maria, der Jungfrau, vorzubereiten und zu feiern. Er möchte eine vertiefte Betrachtung des ablaufenden Jahrhunderts, um Gott Dank zu sagen und auch um Verzeihung zu bitten. So können wir mit der Freude der Bekehrung auch Gnaden dieses Jubiläums empfangen.

Er möchte, daß die Kirche sich erneuert nach dem Geist und den Richtlinien des Konzils, um das neue Jahrhundert evangelisieren zu können. Er sagt - gleich wie unser Vater und Gründer - daß wir uns in einer epochalen Zeitwende befinden.

Für diese Zeit sind wir geboren. Diese Zeit ist unsere Zeit und hier und jetzt sind wir gerufen (in und mit der Kirche) unserer Welt und unserer Zeit zu dienen. Gott, der Heiland und die Gottesmutter lieben unsere Zeit, lieben unserer Kinder, unsere Jugendlichen und unsere Familien, wie sie immer die Menschen geliebt haben. Wir sollen sie auch lieben, auch wenn verschiedene ihrer Ideen und Haltungen uns eigenartig erschienen. Und sie sollen merken, daß sie hier aufgenommen und geliebt sind, daß in Schönstatt unsere Welt, unsere Kultur alle Menschen uns willkommen sind. Der Heiland ist für alle gestorben und sucht durch jedes Mittel alle Menschenkinder zu sich zu ziehen.

Als apostolische Bewegung soll der Heiliger Vater bei uns wagemutige Apostel in dieser schweren Zeiten finden. Im Zusammenhang mit dem großen Jubiläum und am Anfang des dritten Jahrtausends der Kirchengeschichte, erinnert uns das Bundesheim an diesen apostolischen Geist, an den lebendigen Dialog mit den heutigen kulturellen Strömungen, wie ihn unser Vater gepflegt hat, als er hier lebte und wirkte.

Liebe Schwestern und Brüder. Viele Deutungen könnten wir noch nennen für die heutige Feier. Was aber noch wichtig zu sein scheint ist, daß wir alle mithelfen damit dieser geliebte und historische Ort, seine Sendung erfüllen kann. Es ist keine leichte Aufgabe, das wissen wir. Aber die Einheit, die Mitwirkung aller Gliederungen der Familie, zusammen mit den Gnaden des Heiligtums und der Hilfe unseres Vaters, können Wunder wirken.

Sagen wir der MTA einen ganz herzlichen Dank - so wie auch Herrn Arrau und allen Vertretern im e.V.- für das Bundesheim und helfen wir kräftig mit freiwilliger Arbeit, mit Personal und mit Spenden mit, damit ein gesegneter Ort wird für die Sendung und Fruchtbarkeit der Familie.

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