Hörde im Ablauf der Schönstattgeschichte

Teaser Hoerde 2019 (Foto: POS)

Hörde im Ablauf der Schönstattgeschichte

Auszug aus Pater Kentenich: "Schlüssel zum Verständnis Schönstatts", 1951
Studie über das Verhältnis Schönstatts und dem Apostolatswerk Vinzenz Pallottis.

"Fachleute geben drei Maßstäbe an, die vorhanden sein müssen, wenn man von einem sanctuarium im eigentlichen Sinn(15) sprechen will: Zustrom des Volkes, Gebetserhörungen und Anerkennung der Kirche durch Bewilligung von Ablässen oder auf andere Weise. Alle drei Merkmale treffen beim Schönstattheiligtum zu. Das Heiligtum ist der Dreimal Wunderbaren Mutter geweiht.

Wie es dazu kam? Wiederum nach dem Gesetz der geöffneten Tür ... Diesmal durch ein Buch von Hattler über das Colloquium Marianum in Ingolstadt, das uns in den ersten Monaten in die Hand fiel (16) Es berichtet von einem Elitekreis, der sich in Ingolstadt unter Leitung von Pater Rem gebildet, der sich ganz der Gottesmutter unter dem Titel der Dreimal Wunderbaren Mutter geweiht und sehr segensreich am Anfang der Neuzeit für die Erneuerung Süddeutschlands gewirkt hat. Die Erkenntnis machte uns abermals aufmerksam, wieviel vom kleinsten Kreise ausgehen kann, wenn Gottes Plan dahintersteckt; sie gab uns den Mut, den Radius der erziehlichen Tätigkeit der lieben Gottesmutter von Schönstatt aus recht weit zu ziehen ... Was Ingolstadt damals für Süddeutschland war, zu dem möge die Gottesmutter heute Schönstatt machen: zur Quelle der Erneuerung für Deutschland, ja für die ganze Welt ... Das war unsere Bitte, unsere Hoffnung. Schon der Missionsverein hatte den apostolischen Geist in uns geweckt und zu Taten gedrängt. Die Marianische Kongregation schlug in dieselbe Kerbe. Der Weltkrieg warf die damalige Schönstattjugend auf die Kriegsschauplätze in Ost und West, gab also reichlich Gelegenheit, den dritten Teil der großen überragenden Idee zu verwirklichen: den universalen apostolischen Einschlag ... , das alles aber nunmehr als Werkzeug in der Hand der Gottesmutter, um ihr zu helfen, ihre Aufgabe als Volkserzieherin zu lösen.

Parallele Ingolstadt-Schönstatt

Obwohl wir überzeugt waren, durch solche Weitung des Horizontes und Aufgabenkreises den göttlichen Plan getroffen zu haben, wagten wir es doch nicht, außerhalb der eigenen Kreise davon zu sprechen. Wir orientierten uns an der Arkandisziplin der Alten und wählten als Deckname für solch hohe Ziele: Parallele Ingolstadt-Schönstatt. Es sind die beiden Worte, die im Heiligturn unter dem Bildrahmen zu lesen sind. Gleichzeitig stehen die beiden Jahreszahlen dabei: 1914-1919. Das heißt: von 1914 bis 1919 lebte die große Welterneuerungsidee Schönstatts unter dem Deckmantel: Parallele Ingolstadt-Schönstatt.

Ein Zweites schenkte uns Ingolstadt: den Titel für unser Bild. Auch das Bild trägt wie alles den Stempel des Gesetzes der geöffneten Tür an der Stirn. Es kam »wie zufällig« in unseren Besitz ... Ein Bekannter hatte es aus einem Althändlerladen für etwa 23 Mark erstanden. Weil wir damals bitter arm waren und uns nicht rühren durften, mußten wir damit zufrieden sein, konnten auf seinen Kunstwert nicht achten. Das war im Mai 1915. Deutschem Geschmack gefällt es weniger. Das mag den Vorteil haben, daß das mysteriumcrucis(17) dadurch nahegebracht wird. Romanisches Empfinden hingegen findet sich gut damit zurecht. Das kam uns später zustatten, als Schönstatt international geworden.

Ideal der »neuen Gemeinschaft«

Nach solchen Vorbereitungen, die Gottes Vatergüte gleich am Anfang des Krieges getroffen, konnte das Gesetz der geöffneten Tür sich nach allen Richtungen entfalten und Gottes Plan deutlicher entschleiern. Die jungen Sodalen nahmen in Kaserne, Front und Etappe eine ungemein starke Verantwortung mit für Verwirklichung der Parallele. Das wirkte sich nach zwei Seiten aus: erstens im Verhältnis untereinander. Trotz ihrer Jugend und der ganz außergewöhnlichen Belastung durch Dienst und Kriegshandwerk schlossen sie sich zu kleinen Fern- und Nahgruppen zusammen; sie bildeten die congregatiomilitaris. Die Liebe zur Gottesmutter überwand die großen Hemmnisse, sie brachte die Herzen einander näher und sorgte dafür, daß sie sich einander stützten und trugen. So wuchsen sie in das Ideal der »neuen Gemeinschaft« tiefer und tiefer hinein. Andere Kameraden beobachteten das ideale Streben. Sie schlossen sich an, ließen sich in die Gruppen aufnehmen. Das war die zweite Wirkung ...

Bildung eines apostolischen Organisationsnetzes nach dem Leitbild Pallottis

Solche Erfolge machten frühzeitig auf das Leitbild Pallottis aufmerksam, auf das von ihm geplante große apostolische Organisationsnetz. Schon 1916 trat es - wie oben berichtet – in unser Blickfeld und hat uns seither nicht mehr verlassen ... Sein Plan kreuzte sich mit dem von Gott uns durch die Verhältnisse gezeigten. Beide flossen ineinander, beide ergänzten sich(18).

Gegen Ende des Krieges meldeten sich auch Nichtstudierende, die sich unserer congregatiomilitaris mehr als Einzelgänger anschließen wollten. Wir nahmen sie auf. Die Zentrale der Kongregation in Wien beschäftigte sich damals mit ähnlichen Gedanken. Von ihr entlehnten wir den Namen: Liga ... Damit war die Grundstruktur der Apostolischen Bewegung fertig.

Zusammenkunft in Hörde

Der Krieg war zu Ende. Die Schönstätter Studenten kehrten nach Schönstatt, die andern, die sich angeschlossen, die Externen, in ihre Seminare und Konvikte oder nach Hause zurück. Wiederum galt es, auf ein Signal von oben zu warten, um sich nicht zu vergreifen. Lag es wirklich »im Plane«, die schwachen Anfange weiterzuentwickeln? ... Das hing im Sinne des Gesetzes der geöffneten Tür nur davon ab, ob der Gedanke in den »Externen« so gezündet, daß sie aus eigener Initiative den Ausbau des Werkes verlangten. Es dauerte nicht lange, da meldeten sie sich und forderten das Zeichen zum Sammeln. Es wurde 1919 gegeben. Zusammenkunft war in Hörde(19). Sie konnte in Schönstatt nicht sein, weil es in der besetzten Zone lag und der Zugang sehr erschwert war. Die konstituierende Versammlung goß bloß in Form, was bisher nach dem Gesetz der geöffneten Tür geworden.

Unterscheidung von Bund und Liga - verbindendes Band die Marienverehrung

Sie unterschied Bund und Liga. Zum Bund rechneten alle, die eine enge Gemeinschaft in Nah- oder Ferngruppen, das Ideal größtmöglicher Vollkommenheit und apostolischer Betätigung auf allen erreichbaren Gebieten erstreben wollten ... Die Liga unterschied Mitglieder und Mitarbeiter. Erstere streben ähnlich wie die Bündler, ohne jedoch zu enger äußerer Gemeinschaft verpflichtet zu sein. Die Selbsterziehungsformen sind für beide Gruppen dieselben: tägliche Kontrolle der geistlichen Tagesordnung und monatliche Rechenschaft an den Beichtvater. Zwecks juristischer Bindung des Gemeinschaftsgeistes geben die Bündler darüber hinaus monatlich dem Gruppenführer Nachricht, ob diese Pflichten erfüllt sind. Wer weder einen bestimmten Grad der Selbstheiligung noch des Apostolates erstrebt, schließt sich als Mitarbeiter der Liga an. Später kam noch ein weiterer Kreis hinzu: der Wallfahrtskreis ... Das alle verbindende Band - so wurde eigens beschlossen- sollte wie bisher »unsere Marienverehrung bleiben«, die sich im Kriege bewährt hat.

Gründungsgeschichte von sieben Jahren, von 1912-1919 - nach dem Gesetz der geöffneten Tür

So stand das Werk. Im Laufe von sieben Jahren - von 1912-1919 - war es nach dem Gesetz der geöffneten Tür Gottes Planung abgelauscht. Gottes Führung und menschliche Fügsamkeit hatten es ins Leben gerufen ... und so der Idee des neuen Menschen in der neuen Gemeinschaft mit universellem apostolischem Einschlag eine konkrete Form gegeben, die niemand von den menschlichen Werkzeugen anfangs im Einzelnen vorausgesehen und erwartet(20).

Das Ganze nannte sich nach Pallottis Vorbild »Apostolische Bewegung zur Verbreitung, Verteidigung und Verinnerlichung des Glaubens und der Liebe«. Es kannte zwei große Gliederungen: den Apostolischen Bund und die Apostolische Liga. Das Schiff konnte in See stechen ...“

Zwischenüberschriften sind eine Ergänzung der Redaktion

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