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31. Januar 2019 | Impuls aus Schönstatt | 

Was ist Wahrheit? - Impuls aus Schönstatt


Impuls aus Schönstatt (Foto: Brehm)

Der alte Satz, den Pilatus vor der Kreuzigung zum geschundenen Jesus sprach, hat neue Aktualität. Was ist Wahrheit – und Fake-News sind in aller Munde. Wenn jemand etwas durchsetzen will, behauptet er aufs Geradewohl fantasierte „alternative Fakten“. Wenn jemandem eine Nachricht nicht passt, behauptet er einfach: Das sind Fake-News! Und wenn einem die Öffentlichkeit und die Presse zu sehr auf den Pelz rücken, unterstellt man ihnen pauschal, die Unwahrheit zu sagen oder spricht gar von Lügen-Presse.

Was ist die Wahrheit eines Vorgangs, der irgendwo auf der Welt passiert? Zu schnell denken wir: Ja das, was wirklich passiert; es muss nur ehrlich gesagt und berichtet werden. Doch so einfach ist das leider nicht.

Wir nehmen die eine „Wahrheit“ verschieden auf

Beispiel: Wenn man sich die Mühe macht, die Nachrichtensendungen „heute“, „Tagesschau“ und entsprechende Nachrichtensendungen in den privaten Sendern zu vergleichen, werden bald zwei Dinge deutlich: Einmal suchen die Sender aus den tausenden Nachrichten, die ihnen täglich ins Haus geschickt werden, verschiedene Nachrichten aus und betonen damit, was „wichtig“ in der Welt ist. Zum anderen werden die gleichen Vorgänge mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Hervorhebungen, Bildern und Emotionen transportiert. Das geht gar nicht anders, denn Journalisten sind auch nur Menschen mit einem je eigenen Horizont, so sehr sie sich auch um „Objektivität“ mühen mögen.

Beispiel: Ein Tsunami verwüstet einen Landstrich und es gibt eine große Zahl getöteter Menschen.

  • Berichterstattung 1: „Der größte Tsunami seit Jahren fegte über das Land. 250 tausend Menschen verloren ihr Leben.“
  • Berichterstattung 2: „Und wieder einmal hat das Frühwarnsystem versagt: 250 tausend Menschen ...“
  • Berichterstattung 3: „Unendliches Leid brachte der Tsunami über das Land. Die Menschen trauern um 250 tausend Angehörige und Freunde.“

Ganz unterschiedliche Bezugsrahmen werden hier aufgerufen, wecken unterschiedliche Emotionen in den Zuhörern und Zuschauern, nehmen die eine „Wahrheit“ verschieden auf.

Das ist allerdings eine Erkenntnis, die nicht nur die Berichterstattung, sondern unser ganzes Leben und alle Erfahrungen betrifft. Jede Information trifft in uns auf unsere je eigenen Erfahrungen und löst ein individuelles „Kopfkino“ aus. Gemäß unserer Vorerfahrungen und unserer Verstehenshorizonte begreifen wir diese Information, bewerten wir sie und halten sie für wichtig oder unwichtig.

„Glauben Sie mir nichts! Überprüfen Sie alles!“

Aus einer Ecke, an die wir in diesem Zusammenhang zuerst gar nicht denken, kommt eine Bestätigung für diese Erkenntnis. Pater Josef Kentenich hat als Gründer der Schönstatt-Bewegung eine kaum zu überschauende Zahl von Vorträgen gehalten und Gespräche geführt. Nicht selten flocht er den Satz ein: „Glauben Sie mir nichts! Überprüfen Sie alles!“ Er setzt auf einen Erkenntnisfortschritt in vier Schritten: Alles Beobachten – Vergleiche heranziehen – Straffen (Was ist das Prinzip dahinter?) – Anwenden (einen Schluss daraus ziehen).

Kriterien

Was können Kriterien sein, um der vieldimensionalen „Wahrheit“ eines Vorgangs näherzukommen? Hier einige Anregungen:

  • Besser ist es, verschiedene Quellen von Informationen anzuzapfen. Dabei zeigt sich deutlicher, wie ein Vorgang gesehen werden kann und eine einseitige Sichtweise wird eher vermieden.
  • Wie wird beim Transport der Nachrichten mit der unantastbaren Würde des Menschen umgegangen?
  • Gilt die „goldene Regel“ der Bibel (Lk 6,31): „Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen“?
  • Entspricht die Art, einen Vorgang zu schildern, der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit?
  • Führt die Art, die Nachricht zu vermitteln, in eine größere Freiheit?
  • Fördert die Berichterstattung eher Ausgrenzung oder eher die Gemeinschaft der Menschen?
  • Wie würde Jesus reagieren? – Doch Vorsicht: Mit Hilfe der Bibel lässt sich alles rechtfertigen!

Auch das spontane Empfinden kann ein ernst zu nehmendes Kriterium für die Beurteilung einer Nachricht sein:

  • Wie ist mein Gefühl? Was denke ich spontan? Und die anderen?
  • Könnte meine innere Reaktion durch den Berichterstatter absichtlich ausgelöst worden sein? Soll ich womöglich genauso reagieren oder denken, wie ich es jetzt tue?
  • Will ich mich selbst in einer Position bestätigen, die ich schon habe?

Senden Sie uns weitere Kriterien zu, die aus Ihrer Sicht wichtig sind! Auch hier gilt: Aus der persönlichen Erfahrung heraus gewichtet jede und jeder solche Kriterien anders.


Redaktion "Impuls aus Schönstatt“

Leserreaktionen

03.02.2019, 21:56

Dieselskandal, Abgaswerte bei Benzinmotoren, Meldungen zum Thema Klimawandel,
"freie Fahrt für freie Bürger" versus Tempolimit, Plastik wird mit Asbest verglichen etc.: Die unterschiedlichsten Meldungen erfolgen im rasenden Tempo. Ich stimme dem Impuls zu: Es ist schwer, sich in diesem Wirrwarr zu orientieren und "Fakten" zu bewerten.

Eine erste Frage kann sein: Cui bono - Wem nützt es? (Cicero)

Für wen oder welches Ziel ist eine Nachricht, die in einer bestimmten Weise formuliert wurde, von Nutzen? Parteien, Interessenverbände, Firmen, Regierungen, Personen, die Menschheit?

Diese Frage kann meiner Erfahrung nach ein guter Anhaltspunkt für die erste Bewertung einer Nachricht sein. Zugleich gibt sie noch keine Sicherheit darüber, ob die Nachricht wirklich aus diesem Grund so formuliert wurde oder ob die beschriebenen Ereignisse überhaupt wahr sind. Um das Überprüfen kommt man also nicht herum. Absolute Sicherheit erreichen wir dabei leider nie.

Danke für den Impuls zu diesem wichtigen Thema und danke für den Hinweis auf Pater Kentenich. Erst mal "nichts" zu "glauben" ist mutig und anspruchsvoll!

Michaela Koch, Bullay

02.02.2019, 20:39

Zunächst sollte man einmal zwischen Wahrheit und Richtigkeit unterscheiden. So ist zwei und zwei vier. Auch wenn es die AFD, Hitler oder Stalin behaupten. Die Naturwissenschaften versuchen Richtigkeiten zu erkennen. Es handelt sich allerdings nur um hypothetische Richtigkeiten. Mehr geht nicht. Alles ist bloß richtig, solange niemand eine Falschheit nachgewiesen hat. Momentan streiten sich vor allem Lungenärzte um die „noch unschädliche“ Konzentration von Stickoxiden in der Luft. Mal sehen wer Recht behält und „richtig“ liegt.

Desweiteren geht es um „alltägliche“ Wahrheiten. So ist z. B. eine Löwin, die ihren Jungen das Jagen nicht beibringt, keine gute Löwin (Robert Spaemann) Das ist absolut richtig und wahr. Genau so wahr ist, dass der Mensch ein Zweibeiner ist. Niemand kommt auf die Idee einem Einbeinigen alternatives Gehen zu bescheinigen. Zweibeinigkeit des Menschen ist eine unumstößlich gewisse Wahrheit.

Wenn es aber um weltanschauliche Wahrheiten, um Glauben geht, verlässt uns die Gewissheit. Wahrheit in dieser Hinsicht kann man nämlich nicht wissen, allerdings vernünftig bekennen. D. h. man muss argumentativ Plausibilitäten erzeugen, dass es so ist oder nicht ist. Das kann man dann eben einsehen oder nicht einsehen. Man sollte aber vernünftig und friedlich darüber streiten können. Deshalb hat P. Kentenich recht, wenn er sagt: Glauben Sie mir nichts, hinterfragen Sie alles. Vielleicht wird dann das bisher Geglaubte oder aber das Hinterfragte plausibel und einsichtig. Mehr geht nicht.

Helmut Müller, Vallendar

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