Nachrichten

16. Februar 2017 | Dachau 2017 | 

… trotzdem Gott vertrauen - Alltagstauglicher Wagemut


Trotzdem Gott Vertrauen (Fotomontage: Brehm)

Trotzdem Gott Vertrauen (Fotomontage: Brehm)

Der Gründer der Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich kam im März 1942 als Häftling nach Dachau. Schon am 16. Juli 1942 gründet er im Geheimen mit dem Ehemann Fritz Kühr die Schönstatt-Familienbewegung und mit dem ledigen Laien Edi Pesendorfer die Gemeinschaft der Schönstätter Marienbrüder; beides Mithäftlinge, die er erst im KZ kennen gelernt hatte. Wie kommt jemand dazu, so etwas Zukunftsträchtiges in der "Hölle von Dachau" zu starten, wo keiner wusste, ob er den nächsten Tag überlebt? Die heute beginnende Artikelserie von Schönstatt-Pater Elmar Busse ist ein Beitrag zur Vorbereitung auf die am 16. Juli in der KZ-Gedenkstätte Dachau stattfindende Gedenkfeier, zu der die die Schönstatt-Bewegung unter dem Thema „Trotzdem - Gott vertrauen“ heute schon herzlich einlädt.

Alltagstauglicher Wagemut

Elmar Busse. Ehe ein neues Auto auf den Markt kommt, ist schon ganz viel gelaufen. Nach der Konstruktion werden Prototypen gebaut, um in Crash-Tests die Sicherheit der Fahrgastzelle unter die Lupe zu nehmen. Prototypen werden über kilometerlange Schotterpisten gejagt, in Steppen und Wüsten gefahren, in Schnee, Eis und Starkregen die Spursicherheit und das Bremsverhalten getestet. Nur mit den Abgasnormen der Dieselmotoren wurde kräftig geschummelt. Autos sind heute viel sicherer geworden, weil Sicherheitsgurte, Airbags, ABS und vieles andere mehr erfunden und serienmäßig eingebaut werden.

Was für Autos gilt, gilt auch für die Seele; nur mit dem Unterschied, dass wir uns selbst die Strategien aneignen müssen, die uns helfen können, besser mit den Wechselfällen des Lebens zurecht zu kommen. Doch wir müssen diese Strategien nicht alle selbst erfinden. Wir können auf die Experimente und Erfahrungen zurückgreifen, die andere gemacht haben. Und hier gilt wie beim Auto: Was sich unter Extrembedingungen bewährt, ist alltagstauglich.

Gründung von Gemeinschaften in Dachau

Der Gründer der Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich kam im März 1942 als Häftling nach Dachau. Vorausgegangen waren vier Wochen Dunkelhaft und etliche Verhöre bei der Gestapo in Koblenz, sowie vier Monate Gefängnisaufenthalt. Am 16. Juli 1942 gründet er im Geheimen mit einem Ehemann die Schönstatt-Familienbewegung und mit einem ledigen Laien die Schönstätter Brüdergemeinschaft, die Marienbrüder. Mithäftlinge, die er erst im KZ kennen gelernt hatte. Wie kommt jemand dazu, so etwas Zukunftsträchtiges in Dachau zu starten, wo keiner wusste, ob er den nächsten Tag überlebt?

Korbiniansapfel (Foto: Sven Teschke - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11630366)

Korbiniansapfel (Foto: Sven Teschke - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11630366)

Apfelsorte KZ-3 im Konzentrationslager gezüchtet

Eine Parallele: Der Dachauer Häftling und Hobbygärtner Pfarrer Korbinian Aigner züchtet heimlich auf der Kräuterplantage, die es in Dachau gibt, Apfelbäume. Rund 130 dieser Apfelpflänzchen lässt er aus dem Lager schmuggeln, damit sie außerhalb zu Bäumen werden können. Aus vieren wird tatsächlich eine neue Apfelsorte. Seine Züchtungen nennt Aigner KZ-1 bis KZ-4. 1945, wenige Tage vor Kriegsende, gelingt ihm die Flucht. Korbinian Aigner kehrt zurück nach Hohenbercha, tritt seine Pfarrstelle wieder an und wird Vorsitzender des Bayrischen Landesverbandes für Obst- und Gartenbau. Der KZ-3 wird später umbenannt in Korbiniansapfel und wird heute noch angebaut. Wer im KZ unter Gefahr Apfelbäume züchtet, der glaubt an eine Zukunft.

Wagemut und Zukunftshoffnung

Vom Reformator Martin Luther kennen wir den Spruch: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ „Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt“, schrieb der französische Schriftsteller Albert Camus.

Wer im KZ neue ordensähnliche Gemeinschaften gründet wie Josef Kentenich, glaubt an eine Zukunft.

Hoffnungsquellen auch für heute

Wenn wir in diesem Sommer des 75. Jahrestages der beiden Gründungen gedenken, dann wollen wir nicht in der historischen Dokumentation steckenbleiben sondern einen inneren Zugang finden zu der Mentalität, die die damaligen Akteure bewegte, im Vertrauen auf Gott einen solchen zukunftsträchtigen Schritt zu wagen. Denn was sich in der Extremsituation von Dachau als Hoffnungsquelle erwiesen hat, das kann auch für uns in der Alltagssituation zur Hoffnungsquelle werden.

In den Monaten vor dem 16. Juli werden Sie auf dieser Seite Texte finden, die um diese Hoffnungsquelle kreisen.

Mehr Informationen zur Jubiläumsfeier

  • 75 Jahre Schönstatt-Familienwerk, 75 Jahre Schönstatt-Institut Marienbrüder und 50 Jahre Begegnung mit Pater Josef Kentenich in der KZ-Gedenkstätte Dachau
  • Termin: 16. Juli 2017 (Programm von 9.30 Uhr bis etwa 17 Uhr)
  • Programm: Übersicht
  • Organisatorisches
  • Anmeldung (per E-Mail, Telefon oder Post) bis spätestens 20. Juni 2017 bei
    Anton Pfaffenzeller, Fliederstraße 11, 86529 Schrobenhausen, Tel. 08252 7941,
    E-Mail: anton.pf@t-online.de
  • DOWNLOAD Flyer

Top