Diesen Artikel ausdrucken 
26. November 2018 | Rund ums Urheiligtum | 

Ein Haus mit Geschichte und Gründergeist


Bundesheim Schönstatt (Foto: Brehm)

Bundesheim Schönstatt (Foto: Brehm)

Hbre. Wie der Vorstand der chilenischen Stiftung „María Reina del Trabajo“ in einem Brief vom Oktober an die internationale Schönstattfamilie mitteilt, hat sich die Stiftung, die seit 30. April 1998 Eigentümer des Bundesheimes in Vallendar-Schönstatt ist und dieses in der Geschichte Schönstatts wichtige Haus seither unterhält, dazu entschlossen, das Gebäude zum Verkauf anzubieten, „da ein weiterer Unterhalt ohne die notwendigen Ressourcen unmöglich“ sei.

Zur Geschichte und Bedeutung des Hauses für Schönstatt

Pater Kentenich beantragt 1924 bei der Leitung der Limburger Pallottinerprovinz einen Neubau für die wachsende Apostolische Bewegung von Schönstatt. Am Pfingstsonntag, 9. Juni 1927 findet die Grundsteinlegung statt. Im Januar 1928 wird Richtfest gefeiert und schon an Pfingsten findet die erste Tagung für Männer statt. Am 15. August 1928 ist feierliche Einweihung durch Bischof Franz Rudolf Bornewasser, Trier. Unter großem finanziellen und ideellen Einsatz der Limburger Pallottinerprovinz, wurde das erste Bildungshaus der Schönstatt-Bewegung fertiggestellt.

Schon im ersten Jahr nehmen 1.600 Personen an Tagungen und 3.700 Personen an Exerzitien teil. Seit 1928 bildet Pater Kentenich von diesem Haus aus die Schönstatt-Familie. Hier feiert er mit der Gemeinschaft der Marienschwestern die Einkleidung. Von 1929 bis 1932 nehmen jährlich etwa 500 Priester mehr an Tagungen und Exerzitien teil. 1932 sind es 2184. Diese großen Priesterexerzitien haben eine Wirkung in ganz Deutschland.

Exerzitienhaus

Pater Kentenich bietet jährlich mehrmals Pädagogische Tagungen an, die bei katholischen Lehrerinnen und Lehrern, Erzieherinnen und Erziehern großen Anklang finden. „Exerzitienhaus“ wird das Haus ab 1939 genannt, um durch den „harmloseren“ Namen das Haus vor dem nationalsozialistischen Zugriff zu bewahren. Im Bundesheim trifft sich Pater Kentenich in der berühmten „Artusrunde“ mit seinen Mitarbeitern.

Hier arbeitet und studiert Pater Kentenich, erarbeitet, erspürt und interpretiert die Zeichen der Zeit, um eine Antwort auf sie in Exerzitienkursen und in seiner erzieherischen Tätigkeit zu geben. Von diesem Hause aus geht Pater Kentenich den Weg nach Koblenz ins Gefängnis der Gestapo, und weiter nach Dachau ins Konzentrationslager und in diesem Haus wird er von seiner Familie freudig und dankbar empfangen, als er am 20. Mai 1945 von Dachau zurückkehrt. Vom Bundesheim aus beginnt er seine Auslandsreisen in die ganze Welt und von hier aus beginnt er die schwere Reise in die Verbannung, die ihn 14 Jahre lang getrennt hält von seiner Gründung.

Pallottihaus

In der Zeit der Trennung Schönstatts von den Pallottinern wird das Bundesheim zum „Pallottihaus“. Am 30. April 1998 wird es von den Pallottinern verkauft an die dem Schönstattwerk nahe stehende chilenische Stiftung „Fundacion Maria Reina del Trabajo“ die von Fernando Arrau geleitet wurde. Am selben Tag wurde der Schönstattbewegung ein Kaufangebot unterbreitet.

Bundesheim Schönstatt

Ab 2009 stand das Haus der Schönstattbewegung als Sitz für die Vorbereitungen auf die Feierlichkeiten zum 100. Jubiläum Schönstatts im Jahr 2014 zur Verfügung. Die entsprechend benötigten Räumlichkeiten wurden von der Stiftung instand gesetzt. Der Rest des Gebäudes blieb geschlossen, da es aufgrund kommunaler Vorschriften nicht bewohnbar war.

Nach 2014 wurde das Haus dem Institut der Schönstatt-Patres angeboten für eine Nutzung nach ihrem Gutdünken. Die Patres haben die Entgegennahme des Hauses formell abgelehnt, da sie nicht über die Mittel oder die Projekte verfügen, die das Haus mit Leben erfüllen könnten. Auch andere Versuche, es an eine Universität zu vermieten oder das Haus in ein Seniorenheim umzubauen, blieben erfolglos.

„Unter diesen Umständen", so heißt es im Schreiben an die Schönstattfamilie, „hat die Stiftung María Reina del Trabajo beschlossen, das Gebäude zu verkaufen.“ Ergänzend heißt es: „Wir hoffen, dass die Gottesmutter die Käufer des Bundesheims auswählt. Diese Entscheidung, die uns alle berührt, möchten wir der ganzen Schönstattfamilie mitteilen.“

Mehr Informationen