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13. Mai 2018 | Katholikentag | 

Ökumenische Marienfeier des Katholikentages in der Evangelischen Universitätskirche


Die evangelische Pfarrerin Melanie Erben tanzt das Magnificat bei der ökumenischen Marienfeier des Katholikentages in Münster (Foto: McClay)

Die evangelische Pfarrerin Melanie Erben tanzt das Magnificat bei der ökumenischen Marienfeier des Katholikentages in Münster (Foto: McClay)

Hbre. Unter dem Thema „Gerechtigkeit schafft Frieden – Der Lobgesang Mariens“ fanden sich im Rahmen des Katholikentages in Münster weit über 100 Personen in der Evangelischen Universitätskirche zu einer ökumenischen Marienfeier zusammen, die von Mitgliedern der Schönstatt-Bewegung und der Tertiärgemeinschaft der evangelischen Christusbruderschaft Selbitz vorbereitet und durchgeführt wurde.

Schwester M. Vernita Weiss, Schönstätter Marienschwester, die zusammen mit Dörte Kraft, Tertiärgemeinschaft der evangelischen Christusbruderschaft Selbitz, die Feier vorbereitet hatte, hatte die liturgische Leitung der Marienfeier (Foto: McClay)

Schwester M. Vernita Weiss, Schönstätter Marienschwester, die zusammen mit Dörte Kraft, Tertiärgemeinschaft der evangelischen Christusbruderschaft Selbitz, die Feier vorbereitet hatte, hatte die liturgische Leitung der Marienfeier (Foto: McClay)

Aus der Heiligen Schrift wurde das Magnificat vorgetragen (Foto: McClay)

Aus der Heiligen Schrift wurde das Magnificat vorgetragen (Foto: McClay)

Zu Beginn seines Statements trug Pater Deogratias Marahukiro, Schönstatt-Pater, Burundi, (r) mit einem Mitbruder ein Marienlied auf Suaheli vor (Foto: McClay)

Zu Beginn seines Statements trug Pater Deogratias Marahukiro, Schönstatt-Pater, Burundi, (r) mit einem Mitbruder ein Marienlied auf Suaheli vor (Foto: McClay)

Wege zum Frieden im Lobgesang Marias

Gleich zu Beginn wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Melanie Erben, einer evangelischen Pfarrerin aus Oelde, mit einem beeindruckenden Tanz zum Magnificat hineingenommen in das Lobpreisgebet Mariens, das davon spricht, wie Gerechtigkeit zum Frieden in den verschiedenen Bereichen des Lebens führt. Dazu stand vor dem Altar eine Stele, auf der eine geöffnete Heilige Schrift lag, aus der zuvor aus dem Evangelium von Lukas die entsprechende Stelle verkündigt wurde.

Maria als „Königin des Friedens und der Versöhnung“

Pater Deogratias Marahukiro, Schönstatt-Pater aus Burundi, bezeugte in einem Statement, wie sich Maria als „Königin des Friedens und der Versöhnung“ in den Auseinandersetzungen zwischen ethnischen Gruppen seines Heimatlandes erwiesen habe. Trennung zwischen Hutus und Tutzis habe dazu geführt, dass auch in den Kirchengemeinden keine gemeinsamen liturgischen Feiern mehr möglich gewesen seien. 1994 mitten im Bürgerkrieg habe die Schönstatt-Bewegung auf einem Konfliktgelände ein Schönstatt-Heiligtum gebaut und mit einer „Pastoral des Friedens und der Versöhnung“ begonnen und diese unter den Schutz Marias der „Königin des Friedens und der Versöhnung“ gestellt. Neben kleinen Anfängen mit Seminaren mit wenigen Teilnehmern habe es später große Wallfahrten mit Tausenden von Menschen gegeben. Tatsächlich sei durch Schritte der Versöhnung die Mauer des Hasses aufgebrochen worden. Begegnung habe zu Vertrauen geführt. 2009 sei Maria in Mont Sion Gikungu im Beisein von 30.000 Menschen zur „Königin des Friedens und der Versöhnung“ gekrönt worden. „Die Wirkung der Gottesmutter und der Pastoral des Friedens und der Versöhnung ist bis heute wirksam“, so Pater Deogratias. Bis heute träfen sich jeden Sonntag etwa 5.000 Menschen zu einem dreistündigen Gottesdienst. Doch Frieden und Versöhnung seien zarte Pflänzchen und leider befände sich Burundi seit 2015 schon wieder am Abgrund eines Bürgerkrieges, weil der für zwei Amtszeiten gewählte Präsident nach 10 Jahren jetzt nicht abtreten wolle. „Im Anschluss an Marias Magnificat ist es für mich wichtig“, so Pater Deogratias, „sich für die Kleinen, die Verfolgten, die Unterdrückten einzusetzen. Denn: sich für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen, ist für uns als Christinnen und Christen eine wichtige Aufgabe im Auftrag Christi.“

Dörte Kraft, Tertiärgemeinschaft der evangelischen Christusbruderschaft Selbitz  (Foto: McClay)

Dörte Kraft, Tertiärgemeinschaft der evangelischen Christusbruderschaft Selbitz  (Foto: McClay)

Maria, ein Bild für Freiheit, Stärke, Selbstvertrauen, Gottvertrauen und Beschützt sein

In einem Zeugnis unter dem Magnificat-Wort „er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd“ ließ Dörte Kraft von der Tertiärgemeinschaft der evangelischen Christusbruderschaft Selbitz die Mitfeiernden an ihrem Zugang zu Maria teilhaben. Dazu stellte sie neben die Bibel auf eine weitere Stele eine Ikone Marias, die in ihrer Gemeinschaft eine wichtige Rolle spielt. In ihrem Studium der evangelischen Theologie und auch in ihrer Sozialisation sei Maria einfach nicht vorgekommen. Auf dem Weg in die Christusbruderschaft habe sie aber eine Ikone Marias kennengelernt, die ihr einen persönlichen Zugang geschenkt habe. Sie könne heute in diesem Bild Marias „Freiheit, Stärke, Selbstvertrauen und vor allem Gottvertrauen und ein Beschützt sein“ sehen. „An Maria sah ich, Gott ist so, dass ich mich ihm anvertrauen kann, dass ich mich ihm zumuten kann“, so Dörte Kraft. In dieser Ikone Marias sowie im Text des Magnificats bezeuge Maria für sie einen Gott, bei dem sie sich immer sicher fühlen könne. „So ist mir als evangelischer Christin und Theologin Maria zur Zeugin geworden für den Gott, den ich loben kann und den ich lieben will, weil ich bei ihm Ansehen und Freiheit finde.“

Weihbischof Dr. Michael Gerber, Freiburg (Foto: McClay)

Weihbischof Dr. Michael Gerber, Freiburg (Foto: McClay)

Dein Leben steht in einem größeren Zusammenhang

Weihbischof Dr. Michael Gerber, Freiburg, stellte sein abschließendes Wort unter die Magnificatstrophe „Er nimmt sich seines Volkes Israel an“. In seinem Heimatort Oberkirch seien sie als junge Generation daran beteiligt gewesen, in der Tradition der 1683 in Konstanz am Bodensee errichteten Mariensäule, ebenfalls eine Mariensäule aufzustellen, die auf das nicht weit entfernte Straßburg mit seinen europäischen Institutionen schaue. „Maria möchte unseren Blick auf das Miteinander der unterschiedlichen Völker richten“, so Weihbischof Gerber. Dabei stehe Maria aus seiner Sicht für eine biblische Grunderfahrung jenseits von Resignation oder bloßem Aktivismus, die laute: „Wenn du den Blick über deinen Horizont hinaus wagst, dann kann dein Leben fruchtbar werden. Kirche also ein Ort, wo Menschen erfahren sollen: Dein Leben steht in einem größeren Zusammenhang.“ Mit ihrem Weg bis zum Kreuz, mit ihrer Gegenwart in der betenden, nachösterlichen Gemeinde, stehe Maria gerade auch für diese Dimension des Glaubens: „Unser Leben hat eine Perspektive weit über den Horizont des Sichtbaren hinaus, unser Leben hat eine Botschaft weit über den Tod hinaus.“

Das Vocalensemble der Schönstätter Marienschwestern (Foto: McClay)

Das Vocalensemble der Schönstätter Marienschwestern (Foto: McClay)

Gerne nahmen die Mitfeiernden nach diesen Zeugnissen die Möglichkeit wahr, durch das Entzünden einer Kerze ihren persönlichen Friedensbitten einen Ausdruck zu geben. Ein symbolisch dichtes Erlebnis war der Moment als die Tänzerin Melanie Erben eine Christus-Ikone zum Abschluss in den Altarraum brachte und auf eine dritte Stele neben Bibel und Marienikone stellte. Die ganze Feier wurde von einem Vokalensemble der Schönstätter Marienschwestern, Vallendar, sowie von Bernhard Arndt, Institut der Schönstattfamilien, Münster, musikalisch einfühlsam mitgestaltet.

Altarraumgestaltung bei der ökumenischen Marienfeier des Katholikentages in Münster (Foto: McClay)

Altarraumgestaltung bei der ökumenischen Marienfeier des Katholikentages in Münster (Foto: McClay)