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21. Dezember 2017 | Deutschland | 

Ein adventlicher Bündnistag


Ein Ensemble der Schönstätter Marienschwestern spielt adventliche Weisen bei der Bündnismesse in der Pilgerkirche in Schönstatt/Vallendar (Foto: AUTOR)

Ein Ensemble der Schönstätter Marienschwestern spielt adventliche Weisen bei der Bündnismesse in der Pilgerkirche in Schönstatt/Vallendar (Foto: AUTOR)

Hbre. Es ist Bündnistag, der 18. Dezember 2017. Bei der Bündnismesse in der Pilgerkirche lässt sich der weihnachtliche Schmuck bereits erahnen. Die Krippenlandschaft ist aufgebaut, nur die Figuren fehlen noch. Tannenbäume – noch ohne Lichter und Sterne – stehen im Altarraum. Ein Ensemble der Schönstätter Marienschwestern spielt adventliche Weisen, die auf das kommende Fest einstimmen.

Pater Eduardo Aguirre, Postulator im Seligsprechungsprozess für Pater Josef Kentenich (Foto: Brehm)

Pater Eduardo Aguirre, Postulator im Seligsprechungsprozess für Pater Josef Kentenich (Foto: Brehm)

Unsicherheit und Ungewissheit der Zeit in Welt und Kirche

Da will es stimmungsmäßig so gar nicht dazu passen, dass Pater Eduardo Aguirre, der der Bündnismesse als Hauptzelebrant vorsteht, in seiner Predigt die Unsicherheit und Ungewissheit der Zeit in Welt und Kirche thematisiert: die immer größere Geschwindigkeit in der globalisierten Welt, Kriegssituationen an verschiedenen Orten der Welt, die immer noch virulente Terrorgefahr durch den Islamischen Staat, die spannungsgeladenen Lagen in Nord-Korea oder im Heiligen Land, der Brexit, auch die Unsicherheit über die zukünftige Regierung in Deutschland. Ebenfalls verursache der Erneuerungsprozess der Kirche, den Papst Franziskus angestoßen hat, Unsicherheiten und rufe in manchen Kreisen Widerstand hervor, ähnlich wie der Prozess der diözesanen Neustrukturierung z. B. im Bistum Trier, der von der Trierer Synode angeregt worden sei.

„Ist der Geist unseres Gründers lebendig und kraftvoll unter uns?“

In diesem Umfeld begehe die Schönstattfamilie weltweit ein Kentenich-Jahr zur Vorbereitung auf den 50. Todestag des Gründers am 15. September 2018. Diese Feier der Erinnerung sei nicht wichtig wegen der runden Zahl, sondern weil 50 Jahre nach dem Tod des Gründers für die Bewegung ein entscheidender Moment sei: Irgendwie werde geprüft, ob der Geist des Gründers in der Schönstatt-Bewegung noch lebendig ist, ob diese Gründung fähig ist mit der Kraft des Gründercharismas in die Zukunft weiterzugehen. „Ist der Geist unseres Gründers lebendig und kraftvoll unter uns? Ist sein Geist und seine Person ganz anwesend und lebendig in unserer Familie? Ist Schönstatt zukunftsträchtig?“, solche Fragen, so Pater Eduardo, seien für die Schönstattfamilie eine zusätzliche Herausforderung, die zu Unsicherheit führen könne.

„Ist der Geist unseres Gründers lebendig und kraftvoll unter uns? Ist sein Geist und seine Person ganz anwesend und lebendig in unserer Familie? Ist Schönstatt zukunftsträchtig?“ (Foto: Brehm)

„Ist der Geist unseres Gründers lebendig und kraftvoll unter uns? Ist sein Geist und seine Person ganz anwesend und lebendig in unserer Familie? Ist Schönstatt zukunftsträchtig?“ (Foto: Brehm)

„Wir lassen uns von Gott führen.“

Doch gerade für solche Zeiten des schnellen Wechsels und der Unruhe sei Schönstatt eigentlich vorgesehen. Pater Kentenich habe Schönstatt nicht dazu gedacht, an Dingen und Situationen festzuhalten und sie zu sichern, sondern Schönstatt sei dazu da, den Blick auf Neues zu richten, an der Erneuerung der Kirche und Gesellschaft mitzuwirken. Daher seien Schönstätter dazu aufgerufen, mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft zu schauen und der ungewissen und verworrenen Zeit sogar mit Begeisterung entgegen zu gehen. „Unsere Schönstattspiritualität und unsere Pädagogik wollen eben auf die Herausforderungen der heutigen Zeit antworten“, betont der Schönstatt-Pater und nennt dazu einige Stichworte: Treue zum Liebesbündnis, Werkzeughaltung für die Sendung Marias, die auch für die heutige Zeit Christusgebärerin und Christusträgerin sei, Leben aus dem Vorsehungsglauben: „Wir lassen uns von Gott führen“.

Sich auf Pater Kentenich einlassen

Das Kentenich Jahr könne hier helfen, die Identifizierung mit dem Gründer und die Bindung an ihn zu stärken. Es gehe darum, sich auf ihn einzulassen, sich mit ihm zu beschäftigen, sich sein Denken, seine Analyse der Zeit, seine Lösungsvorschläge zu erarbeiten und diese besser zu verstehen. Die ganze Schönstattfamilie sei dazu gerufen, Pater Kentenich mit seiner Spiritualität und seiner Pädagogik in Kirche und Gesellschaft bekannter zu machen. Das Kentenich-Jahr sei nicht dazu da, die Verehrung und Bewunderung des Schönstatt-Gründers nur innerhalb der Bewegung wachsen zu lassen.

Adventliche Lichter beim Urheiligtum in Schönstatt/Vallendar (Foto: Brehm)

Adventliche Lichter beim Urheiligtum in Schönstatt/Vallendar (Foto: Brehm)

Neugeburt Christi vom Heiligtum aus

Zum Abschluss der Feier greift Pater Aguirre bei der Bündniserneuerung am Urheiligtum das Thema mit einem entsprechenden „Wort des Gründers“ nochmals auf: „Was will Neugeburt Christi vom Heiligtum aus heißen? Das Wort will nicht nur allgemein gedeutet werden, etwa in dem Sinn, dass die Gottesmutter Christus in uns gleichsam neu gebären sollte: es handelt sich hier vielmehr um eine Neugeburt Christi im Sinne der Kirche am neuesten Zeitenufer. … ’dass Schönstatt du hast auserkoren und Christus dort wird neu geboren...’ (Morgengebet in Himmelwärts) und zwar in der Weise neu geboren, wie der liebe Gott den neuen Menschen und die neue menschliche Gemeinschaft für morgen und für übermorgen formen will. Es bleibt die Frage: Hat die Gottesmutter uns so erzogen, hat der Geist Gottes uns wirklich so geformt, dass wir auf dem Wege sind, auch im Strudel der heutigen Zeit standfest und ruhig dazustehen? Hat die Wandlungsgnade sich nach der Richtung ausgewirkt, dass wir als Familie und als Einzelglied bereits vorweggenommen haben, was die Menschheit, die Christenheit morgen, übermorgen ganz allgemein erstrebt und verwirklichen möchte?“ (Josef Kentenich, Patres-Exerzitien 1966)

Die Erneuerung des Liebesbündnisses auf dem Hintergrund solcher Worte weist den Blick in die Zukunft. Es wird deutlich: der Schein der Lichter, die an der Hecke beim Urheiligtum brennen, will nicht nur sentimentale Stimmung verbreiten. Dieser Schein ist Symbol für Christus selbst, der in unruhiger Zeit den Weg mit den Menschen – und auch mit der Schönstatt-Bewegung – in die Zukunft mitgeht. Ein adventlicher Bündnistag!

Feier der Erneuerung des Liebesbündnisses im Advent (Foto: Brehm)

Feier der Erneuerung des Liebesbündnisses im Advent (Foto: Brehm)