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18. Dezember 2017 | Worte des Bewegungsleiters | 

Stern des Vorsehungsglaubens und Schule unserer Geschichte


Jahresmotiv 2018 der Schönstatt-Bewegung in Deutschland (Grafik: POS Brehm)

Jahresmotiv 2018 der Schönstatt-Bewegung in Deutschland (Grafik: POS Brehm)

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Schönstatt–Bewegung,

Weihnachten bestimmt viele Wochen lang das Bild unserer Innenstädte, die Dekorationen von Fenstern, Häusern und Restaurants und das Angebot in den Geschäften. Ganz eindeutig hat dieses Fest die tieferen Schichten unserer Kultur erreicht. Das gilt auch heute für unsere Generation und für unser globales und multikulturelles Lebensgefühl.

Weihnachten weltweit – wer prägt hier wen?

Der Ethnologe Thomas Hauschild beschreibt in einem Interview, wie inspirierend Elemente des weihnachtlichen Brauchtums in andere Kulturen hineinwirken. „Zwei Dinge sind zu beachten. Erstens hat sich der christliche Kalender weltweit als Kalender der Geschäfte durchgesetzt. Dieser Kalender hat ein Ende und das liegt ganz nahe bei Weihnachten und den Winterfesten anderer Kulturen. Zum Beispiel das buddhistische Neujahrsfest. Die Ausbreitung dieses Jahresend-Termins, seine Karnevalisierung und seine Vermischung mit dem Gabentausch und weihnachtlichen Ideen aus dem Westen laufen parallel zu den Kulten um den chinesischen Gott des langen Lebens oder den Weißen Alten in der Mongolei …  Winterfiguren, Eisfiguren mit weißen Bärten und hohen Köpfen. … die Weihnachtsbräuche kommen ursprünglich aus dem Osten, aus Asien zu uns. … Die ursprüngliche Traditionslinie ist also genau umgekehrt zur heutigen Ausbreitung des Santa Claus.“

Pater Kentenich schreibt (Foto: Archiv) Pater Kentenich schreibt (Foto: Archiv)

Pater Kentenich schreibt (Foto: Archiv)

Weltweit breitet sich Santa Claus aus. Den rot-weißen Weihnachtsmann hat Coca Cola zwar nicht erfunden, aber weltweit vermarktet. So wie man in ihm nicht mehr den Bischof Nikolaus von Myra erkennen kann, so haben sich bei uns inzwischen die ausdrücklich christlichen Bräuche und Bilder – der heilige Nikolaus, das Kind in der Krippe, die Engel, die den Frieden verkünden, der Stern von Bethlehem und die Heiligen Drei Könige – ganz mit den vor- und außerchristlichen Bildern vermischt.

Gemeinsam ist diesen modernen Entwicklungen um die Weihnachtstraditionen das Schenken im Blick auf die eigenen Beziehungsnetze der Familien- und Freundeskreise. Und diese Freundlichkeit und Wohltätigkeit geht über diese Kreise hinaus. Dass wir alle auch eine Mitverantwortung für Bedürftige und In-Not-Geratene haben, daran kommt an Weihnachten eigentlich niemand vorbei.

Wie schauen wir auf diese Entwicklung?

Ist die christliche Substanz dabei, zu verdunsten? Oder sind die christlichen Werte in die moderne, heidnisch-menschliche Kultur eingedrungen und prägen sie mit? Beides ist zu beobachten.

Es kann uns nicht ruhig lassen, wenn die Mitte des Christlichen, die persönliche Beziehung zu Gott in Jesus Christus, unter Lichtern, Sternen, Girlanden und Glühwein untergeht. Ist das nicht die ständige Aufgabe von uns Christen? In der Art, wie wir Advent und Weihnachten feiern, muss die religiöse Substanz erlebbar sein. Diese persönliche, gläubige und anbetende Mitte im Fest der Menschwerdung des Sohnes Gottes sind wir den Menschen unserer Zeit schuldig.

Zum Geheimnis einer religiösen Kultur gehört diese Gruppe von Menschen, diese Glaubensgemeinschaft, in der die ausdrückliche Substanz des Glaubens lebendig ist. Auch uns ist das Feiern wichtig. Wir sollten es nicht unterschätzen, wenn wir unser Glaubenszeugnis mit hineinlegen in die vielfältigen Wünsche und Begegnungen dieser Tage.

Weiter machen wie bisher oder aus der Schule der Geschichte die Substanz neu gewinnen

In dem Brief unseres Gründers an Pater Mennigen, der uns durch das Jahr begleitet, beschäftigt sich unser Gründer mit dem, was wirkliche Neugründung bedeutet. Zu jeder Zeit brauchen wir den Stern des Vorsehungsglaubens. Diese Gottsuche im Alltag und in den Entwicklungen unserer Bewegung rechnet immer wieder neu damit, dass Gott uns Türen öffnet und uns Wege zeigt. Und doch haben wir heute einen Vorteil, meint unser Gründer. Wir können aus der Schule der Geschichte Schönstatts lernen. Ja, wir sollen sogar „mit großer Sorgfalt in die Schule unserer Familiengeschichte gehen“.

Dass es nicht um ein Immer-Weitermachen mit allem, wie es sich eben bis jetzt entwickelt hat, geht, das hat er überdeutlich formuliert. Nicht nur Ursprungsgeist, sondern wirklicher Neuaufbau steht an.

Die Substanz der Liebe zu Schönstatt und des Glaubens an das Charisma unserer Gründung sich neu schenken lassen

Wir leben in einer Zeit, wo wir in allen Zweigen unserer Bewegung und in allen Gemeinschaften erleben, wie „Urgesteine“ abtreten. Viele, die ihr ganzes Leben aus dem Liebesbündnis gelebt haben und sich auf vielfältige Weise apostolisch engagiert haben, werden heimgerufen zu Gott. Manches von ihrer Erfahrung und ihrer Kompetenz bleibt und kann weitergegeben werden. Geschichtliche Zusammenhänge, die Spiritualität und Pädagogik Schönstatts, die organisatorische Weite und Vielfalt, der Umgang mit neuen Herausforderungen der Zeit: Für die jetzigen Generationen ist die Fülle und all das, was man aufnehmen und kennen könnte, schon längst eine Überfülle. Was heißt es, von der Gründungsgeschichte zu lernen? Natürlich wollen wir viel wissen, und doch wollen wir keinen neuen Studiengang Schönstattgeschichte. Ich meine, das Lernen aus der Geschichte hat damit zu tun, in der Fülle der Möglichkeiten und der Herausforderungen die Substanz neu zu entdecken. Damit wir vor lauter Bäumen den Wald nicht übersehen.

Ist nicht das gelebte Schönstattleben vieler Schönstätter, die uns vorausgegangen sind, der besondere Reichtum unseres 100-jährigen Schönstatt in Deutschland? Kann nicht jeder von uns den ein oder anderen Schönstätter so kennen, dass er entdeckt, wie bei ihm die Liebe zu Schönstatt wach geworden ist und gewachsen ist? Ich glaube, dass darin eine große Quelle der Kraft und der Zuversicht liegt. In solchen Menschen berühren wir die „Substanz der Schönstattgeschichte“.

Schon wenig hat eine große Wirkung. In all dem, was wir anpacken möchten und als Aufgabe vor uns sehen, lässt es in uns selbst die Liebe und den Glauben aufbrechen und lebendig werden.

Dieser Gründergeist trägt Schönstatt und er trägt jede fruchtbare Neugründung.

Ganz ähnlich ist das mit der Glaubenssubstanz auch für unsere eigene Freude im Blick auf das so bunte und weltweite Weihnachtsfest.

Vom Urheiligtum in Schönstatt, wo die Gnade von Bethlehem wirksam ist, wünsche ich Ihnen und Ihren Familien und Freunden frohe und gesegnete Weihnachten.

Dazu Grüße und Segen vom Urheiligtum

Ihr

P. Ludwig Güthlein

Schönstatt-Bewegung Deutschland