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15. Oktober 2016 | Oktobertreffen2016 | 

Impuls zum Jahresmotto 2017


Impuls zum Jahresmotto 2017

Pater Ludwig Güthlein, Schönstatt

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Ich darf ein Wort sagen, das uns eigentlich schon klar ist: Das Thema dieses Oktobertreffens, das auf dem Einladungsflyer stand, ist auch das Jahresmotto für unsere deutsche Schönstatt-Bewegung:

Jahresmotto-Plakat der Schönstatt-Bewegung 2017

Jahresmotto-Plakat 2017 der Schönstatt-Bewegung Deutschland

Es ist auf einem interessanten Weg entstanden, nicht einfach während drei Tagen bei einer Oktoberwoche, sondern die Delegiertentagung im März hat den Zentralwert vorgegeben und daraus ist dann das Motto entstanden.

Wir kommen aus der Erfahrung des Jubiläums, einer großen Zusage der Gottesmutter an ihre Familie, und wir haben als Frucht dieses Jubiläums das Memorandum bekommen „Schönstatt im Aufbruch“.
Wie geht dieser Aufbruch? Das beschäftigt uns. Wie kommen wir hinein mit dieser Kraft und diesem Schub im Rücken, den das Jubiläum gibt, in eine neue Freude am Experiment, am Sich-Einlassen, am Damit-Rechnen, dass es sich lohnt, Neues auszuprobieren?

Wir haben das biblische Bild vom Emmaus-Weg irgendwann entdeckt, waren selber erstaunt, wie das als Bündelung des Anliegens von diesem Sich-Einlassen zustande kam. Und dann haben wir gemerkt, es liegt viel drin, und wir freuen uns auf dieses Jahr.

Ich möchte drei Worte dazu sagen, zu dem Jahresmotto und zu dem Banner, das ja hier an der Wand hängt.

1. Wir blicken nach vorne und lassen uns ein

Ich glaube, das Besondere ist: Wir blicken nach vorne. Das Jubiläum haben wir zwar im Rücken und doch suchen wir, gehen wir auf das Jahr zu mit Erwartung und Zuversicht. Wir suchen Gott vor uns. Wir rechnen damit, dass er dazukommt. Wir machen uns auf den Weg mit dieser Neugier auf die Zukunft, und sei es nur die kleine Zukunft eines Jahres. Wir rechnen damit, es wird etwas geschehen, was ein Hinzukommen Gottes ist.

Wir rechnen nach vorne hin, auf die Zukunft hin, mit einem Mehr dieses Hinzukommens Gottes. Das ist ein recht stiller Aufbruch, aber vielleicht ein tiefgreifender, wenn man mit diesem Optimismus in die Zukunft schaut in einer Mischung von menschlichem und gläubigem Optimismus.

2. Wenigstens zwei miteinander

Ein zweites Stichwort zur Jahresparole habe ich mir so überschrieben: Diese Zukunft, auf die wir zugehen, hängt davon ab, dass wenigstens zwei zusammen gehen, zusammen auf dem Weg sind. Seit vielen Jahren beschäftigt uns dieses Stichwort „Miteinander“, und irgendwie denkt man immer, das Gesamte muss ein Miteinander sein, aber miteinander ist konkret. Es braucht das Mit-einem-anderen-unterwegs-Sein.
Gestern haben wir bei der Jahreskonferenz der Familien ein Statement gehört von Ehepaar Brehm, was dieses Im-Bündnis-miteinander-unterwegs-Sein für eine Familie bedeutet. Eheleute sind die Spezialisten, wo zwei miteinander unterwegs sind. Aber wir können das alle lernen und alle darauf eingehen. Zukunft entsteht aus dem Teilen, was einen im Innersten bewegt, dass man eben sich nicht nur alleine einlässt, sondern miteinander einlässt auf diesen Weg in die Zukunft.

3. Die Hintergrundfarbe: Unter dem Mantel der Gottesmutter Christus begegnen

Ja, und die grüne Farbe und das große ER, das hat mich auch beschäftigt, wie ich über das Motto meditiert habe. Ich weiß nicht, ob Sie es erkennen, die grüne, türkis-blaue Farbe ist genommen vom Mantel der Gottesmutter von unserem MTA-Bild. Und wir haben uns gedacht, ja, sie, die Christusbringerin, wird dafür sorgen, dass diese Christusbegegnung geschieht.

Dass das so ein auf Christus bezogenes Motto ist, auch wenn das nicht exklusiv ist, hat damit zu tun, dass wir gemerkt haben, dieses Jahr 2017 bewegt unsere Kirche, unsere Kirchen, und erstaunlicherweise ist aus dem Lutherjubiläum oder Luther-Gedenken, wie man es nennt, das Anliegen geworden, ein gemeinsames Christusjahr zu feiern.
Ich glaube, wir dürfen dankbar sein, dass unser Erzbischof Zollitsch den ausschlaggebenden Anteil hat an dieser Idee. Im Gespräch mit den evangelischen Bischöfen hat er das eingebracht, und das ist zum Thema des Jahres 2017 geworden.

Wir haben in den letzten Jahren immer wieder mal Christusjahre erlebt, besonders bei der Jugend: Weltjugendtag 2005 – „christusberührt mittendrin“, hieß das Motto.
Ich habe 2013 bei der Begegnung mit den ökumenischen Bewegungen hier in Schönstatt etwas darüber gesagt, wie wir darauf vertrauen, dass im Tiefer-Hineinwachsen in die marianische Bindung auch die Tiefe der Christusliebe wächst und dass das Pater Kentenich ein Anliegen war.

Damals hatte ich gesagt: „Ich glaube, wir Schönstätter müssen wachsam im Blick behalten, dass bei einer viel weniger christlich sozialisierten Generation der fundamentale Chris­tus­­be­zug bewusster mitformuliert und gepflegt werden muss als in den vergan­genen Jahrzehnten.“[1] <p">Ich hatte es damals so gesagt und war erstaunt, wie viele Rückmeldungen ich auf diesen Satz bekommen habe. Und es hat mich beschäftigt, ob wir nicht als ganze Bewegung uns da ein Geschenk erbitten sollten, dass wir in einer richtigen Freude dieses Christliche – Christus –, das uns die Gottesmutter schenkt, in uns haben. Mir jedenfalls kommt es so vor, wenn man das so ganz ausdrücklich sagt: Christus, Jesus, mit ihm unterwegs, dann ist es so ein bisschen wie – ja, wir wollen ja alles und sowieso, und doch bleibt eine Irritation bei anderen und bei uns selbst –, wenn uns das zu einer gemeinsamen Freude wird: Wir haben eine Christusergriffenheit unter dem Mantel der Gottesmutter geschenkt bekommen und wir bekommen sie immer wieder neu vertieft geschenkt.

Dass zu diesem Motto das Stichwort Bündniskultur dazugehört, das beschäftigt uns am Nachmittag.

Ich hoffe, dass Sie Freude haben an diesem Motto. Ich glaube, wir spüren es in dieser Runde, dass diese Hoffnung durchaus begründet ist.



[1] In: 100 Jahre Schönstatt. Internationale Eröffnung des Jubiläumsjahres 2014. Fest der deutschen Schönstatt-Bewegung, 18. bis 20. Oktober 2013, S. 212 f.:
„Kentenich war sich sehr bewusst, dass die marianische Betonung eine Einseitigkeit ist. Er wusste, dass eine organisch einseitige Betonung zwar Lebenskraft weckt, dass aber andererseits die Weiterentwicklung entscheidend ist.
Ich möchte Ihnen ein Stück aus einem Text, einem Gebet vorlesen, das Pa­ter Kentenich Anfang Januar 1942, bereits inhaftiert, geschrieben hat. Der Blick auf Gefangenschaft und Konzentrationslager beschäftigt ihn. Das Ge­bet, die Bitte ist an Jesus gerichtet.

‚Heiland, wenn du mich nicht für wert und würdig hältst, dich deinen Lieblingen zu künden (... also wenn ich nicht lebend zurückkomme ...), dann lass dich durch deine Mutter bewegen, ein anderes Werkzeug dafür zu erwählen. Ich will dann wenigstens im Hintergrund Gesundheit, Kraft und Leben dir schenken für dieses gotteswürdige Geschenk. Lass deine Familie nicht von schwereren Stürmen umtost werden, ehe sie dich besser kennt und liebt.‘
Das Weiterwachsen in der Spiritualität war ihm ein großes Anliegen. Weiterwachsen hat für ihn einen besonderen Akzent: Weiterwachsen hieß für ihn nicht, von einer Erfahrung und Betonung zur nächsten weiterzugehen. Weiterwachsen hieß für ihn vor allem ‚immer weiter zu werden‘ im Sinne von Weitung. Immer mehr in die Zusammenhänge des Liebesbündnisses hi­­neinzuwachsen. Heute sprechen wir vom Liebesbündnis mit Maria, mit Chris­tus, mit Gott, miteinander, für und mit den Menschen unseres Landes. Auch wenn die Wurzel lebendig wirksam bleibt, weitet sich die Gesamt­gestalt.
Ich glaube, wir Schönstätter müssen wachsam im Blick behalten, dass bei einer viel weniger christlich sozialisierten Generation der fundamentale Chris­tus­be­zug bewusster mitformuliert und gepflegt werden muss als in den vergangenen Jahrzehnten.“

Spenden zur Unterstützung des Büros des Bewegungsleiters sind – auch gegen Spendenquittung – möglich auf folgendes Konto: Schönstatt-Bewegung Deutschland – Bank im Bistum Essen – IBAN DE 07 3606 0295 0029 6200 24 – BIC GENODED1BBE